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Wahre Geschichte der „Mary Poppins“

Saving Mr. Banks Wahre Geschichte der „Mary Poppins“

John Lee Hancocks erzählt in seiner Tragikomödie von einem verbürgten Treffen zwischen Walt Disney und "Mary Poppins"-Verfasserin P.L. Travers 1961. Dabei hat der Film bereits für Diskussionen um die Moral des Moguls gesorgt.

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„Saving Mr. Banks“ erzählt die Vorgeschichte zur Verfilmung des Kinoklassikers „Mary Poppins“ mit Tom Hanks als Walt Disney (links) und Emma Thompson als P.I. Travers.Foto: Disney

Quelle: Francois Duhamel

Marburg. Das Disney-Musical „Mary Poppins“ von 1964 mit Julie Andrews in der Titelrolle war einer der größten Hollywood-Erfolge überhaupt. Die Kinofantasie nach dem berühmten Kinderbuch von P.L. Travers (1899-1996) aus dem Jahr 1934 über eine tatsächlich zauberhafte Nanny begeisterte Alt und Jung, wurde mit fünf Oscars ausgezeichnet und spielte weltweit damals fabelhafte 44 Millionen Dollar ein. Nur die australisch-britische Verfasserin selbst wusste sich nicht so recht für das Projekt zu begeistern. Nach einer wahren, angeblich noch nie erzählten Begebenheit schildert nun die aufwendige, Star-besetzte Disney-Produktion „Saving Mr. Banks“ die Vorgeschichte des Filmklassikers.

Mit Emma Thompson als Pamela Travers und Tom Hanks als jovialem Walt Disney inszenierte John Lee Hancock („Blind Side“) das Treffen der beiden 1961 in Los Angeles. Dabei wollte der Hollywood-Mogul die notorisch halsstarrige Schriftstellerin unablässig zur Zustimmung zu einer Verfilmung überreden.

Zum Standard gehört es jetzt aber auch, dem Film Schönfärberei und Verharmlosung des wahren Charakters Disneys vorzuwerfen. Der führe als dessen einziges Laster heimliches Rauchen im Büro vor - der Vater von „Mickey Mouse“ wollte in der Öffentlichkeit immer als Saubermann erscheinen. Von solchem Geraune sollte man sich bei der Betrachtung des Films aber nicht allzu sehr irritieren lassen. Denn „Saving Mr. Banks“ ist zwar einerseits Mainstream mit allerlei rosagetönter Hollywood-Nostalgie und gefühlsträchtiger Darstellung des Themas „Kindheit“. Andererseits jedoch wegen seines menschlich ernsten und lauteren Kerns auch ein wahrhaftig zu Herzen gehendes Werk - das den Blick dafür schärft, wie künstlerisches Schaffen oft entsteht.

Dazu amüsiert „Saving Mr. Banks“ mit herrlich bissigen Dialogen. Die sind vor allem dem von Thompson ganz wunderbar und vielschichtig gezeichneten bärbeißigen Charakter der Travers und dem stets pointensicheren Gegensatz „britisch-amerikanisch“ geschuldet. Nur aus Geldnot war die Autorin der Einladung des Filmkönigs gefolgt - der hatte sich auf Anraten seiner kleinen Töchter immerhin seit 1940 um die Rechte an „Mary Poppins“ bemüht. Doch Travers mag das magische Kindermädchen, das Ordnung und Liebe in den Haushalt der Familie Banks bringt, nicht aus der Hand geben. In Rückblenden, die den Tagträumen der ältlichen Schriftstellerin entsprechen, erzählt Hancocks Film, wie viel das mit ihrer eigenen Kindheit zu tun hatte.

von Ulrike Cordes

Der Film läuft im Cineplex.

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