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Waggonhalle setzt Kultreihe fort

Wirtshaus an der Lahn III Waggonhalle setzt Kultreihe fort

Die Waggonhalle bringt den dritten Teil ihrer Kultreihe „Das Wirtshaus an der Lahn“ auf die Bühne. Diesmal geht es um „Besetzung und Abriss“. Die Uraufführung ist am Freitag.

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Peace – das Regieteam stellt sich vor: Autor Willi Schmidt (oben, von links), Regieassistentin Cindy Meyer, Regisseur Matze Schmidt und der musikalische Leiter Heinz Kappe. Das linke Foto zeigt die Investorenfamilie Gertrud (Evelin Reinhardt, von links), Luise (Gesche Weber) und Dr. Carsten Schein (Pit Metz).Fotos Badouin / Sahin

Marburg. Hätte man Willi Schmidt in den 1970ern als Heimatdichter bezeichnet, er hätte wohl dankend abgewunken. In Zeiten der Studentenrevolten, der Sit-Ins an den Universitäten war der Begriff Heimat stigmatisiert. Die 68er glaubten, ihn gerade überwunden zu haben.

40 Jahre später ist das ein wenig anders. Regionalkrimis erfreuen sich steigender Beliebtheit. Autoren richten den Blick aufs Land, Saša Stanišic hat gerade den Leipziger Buchpreis für „Vor dem Fest“ erhalten, in dem er eine Geschichte aus einem Dorf in der Uckermark erzählt.

Hierzulande ist der in Wittelsberg aufgewachsene Autor, Dramatiker, Schauspieler Willi Schmidt, zugleich Mitbegründer von Theater Gegenstand und Waggonhalle, so etwas wie ein Chronist der Region, wobei er seinen Blick in Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken immer wieder vor allem auf das dörfliche Leben richtet.

Mit „Das Wirtshaus an der Lahn“ ist ihm gemeinsam mit Regisseur Matze Schmidt, der ebenfalls in Wittelsberg aufgewachsen ist, ein großer Wurf gelungen: Den ersten Teil siedelte er 2010 Ende des 19. Jahrhunderts an. Teil zwei kam ein Jahr später auf die Bühne und spielte 1919 kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs.

Teil drei nun führt das Publikum in das Jahr 1970, in das Jahr, in dem das berühmte Wirtshaus an der Lahn abgerissen und durch den sogenannten Affenfelsen ersetzt wurde.

Die inzwischen 22. Waggonhallen-Produktion ist noch eine Nummer größer als Teil 1 und 2.: 20 Darsteller und vier Musiker der Wirtshaus-Band wirken mit. Mt dabei sind viele alte Bekannte aus den beiden ersten Wirtshaus-Stücken: Pit Metz, der ehemalige Stadtverordnete der Marburger Linken und Marburger DGB-Vorsitzende, spielt einen Investor, Hilde Rektorschek, Vorsitzende der Kulturloge, eine Marburger Bürgerin.

Das Stück führt die Zuschauer in eine Zeit, in der Marburg, wie wir es heute kennen, von Spekulanten bedroht war. Historische Gebäude wie das alte Philippinum, die Stadtsäle oder Bobs Terrassen in der Oberstadt wurden abgerissen. Es gab sogar Pläne, die gesamte Oberstadt plattzumachen.

Willi Schmidt schickt in seiner Version Hausbesetzer in das Wirtshaus, die den Widerstand organisieren. „Das hat es damals so nicht gegeben, Hausbesetzungen gab es in Marburg erst später“, sagt der Autor. Für ihn ist das alte Wirtshaus an der Lahn ein Ort, um lokale Marburger Geschichten mit politisch interessanten Themen zu erzählen. So treffen dort Radikale, politische Theoretiker mit den Ideen von Karl Marx auf Utopisten, Drogensüchtige und Bürger der Stadt Marburg, die ihre alte Stadt erhalten und retten wollen. Ihnen gegenüber stehen ein Baudezernent, Architekten und Investoren, denen die Stadt egal, ihr Geldbeutel aber umso wichtiger ist.

Das Stück, das in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den Darstellern entwickelt wurde, wird in Form einer Revue mit ganz viel Musik präsentiert, erklärt Regisseur Matze Schmidt. Die Wirtshaus-Band unter der Leitung von Heinz Kappe begleitet und kommentiert die Handlung mit Klassikern dieser Zeit von Bob Dylan, den Rolling Stones, Janis Joplin, Otis Redding, The Monkeys, Creedance Clearwater Revival und der deutschen Band Ton, Steine, Scherben. Für die Ausstattung sorgte Sonja Kretzer, die sehr viel Wert auf authentische Kostüme gelegt hat.

Parallel zum Stück wird auch das Rotkehlchen ein Stück weit in ein „Wirtshaus“ der 70er Jahre verwandelt mit alten psychedelischen Plakaten. Dazu gibt es unter anderem Toast Hawaii, einer der kulinarischen Hits dieser Jahre.

Die Termine: Uraufführung ist am Freitag, 21. März, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 22., 25., 26. und Do 27. März, jeweils 20 Uhr sowie am Sonntag, 23. März, um 18 Uhr. Das Stück wird im Mai wieder aufgenommen: 15., 16. und 17. Mai, jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 18. Mai, um 18 Uhr.

von Uwe Badouin

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