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Waggonhalle blickt kritisch auf Luther

Theaterstück hat am Samstag Premiere Waggonhalle blickt kritisch auf Luther

Mitten im Luther-Jahr wirft die Waggonhalle mit ihrer neuen Produktion einen anderen Blick auf den Reformator. Das Stück feiert am Samstag Premiere.

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Luther (Cornelius Klein) ist ins Gebet vertieft. Die Waggonhalle wirft mit Dieter Fortes Luther-Stück einen kritischen Blick auf den Reformator.

Quelle: Waggonhalle

Marburg. Martin Luther verbindet. Das ist im aktuellen Luther-Jahr deutlich zu spüren. Auch in der Waggonhalle sorgt das Reformationsjubiläum für eine neue Zusammenarbeit. In Kooperation mit dem evangelischen Dekanat der Wetterau bringt die Waggonhalle das Theaterstück „Martin Luther und Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung“ auf die Bühne. Premiere ist am Samstag um 20 Uhr.

„Das Stück stellt das übliche Luther-Bild auf den Kopf“, sagt Regisseur Willi Schmidt. Denn das 1970 in Basel uraufgeführte Theaterstück von Dieter Forte geht lutherkritisch voran, behandelt weniger die Themen Religion und Reformation sondern versteht sich vielmehr als eine radikale Finanzkritik.

Fortes Luther wird von den Fürsten ausgenutzt, die vom Kapitalisten Fugger, dem Erfinder der Buchhaltung, gekauft wurden. Luther verschafft ihnen dafür ein gutes Gewissen. Münzer ist der Revolutionär, der von Luther verraten wird, während das Geld die zentrale Rolle spielt.

Zusammen mit seiner Kollegin Annika Munk hat Schmidt das Mammut-Werk bearbeitet und für die Waggonhalle spielbar gemacht. Von ursprünglich 80 Figuren sind immer noch 16 Darsteller geblieben. „Hier für dieses Haus ist das schon eine große Nummer“, sagt Intendant Matze Schmidt. Sechs Vorstellungen sind in der Waggonhalle geplant, danach geht es auf Tournee durch die Wetterau.

Gerlinde Jallow spielt die Margarete

Seit Dezember laufen die Proben. Luther-Darsteller Cornelius Klein berichtet, dass er verschiedene Quellen genutzt habe, um ein Gesamtbild von Martin Luther zu bekommen. „Wir wollen ein differenziertes Bild von Luther zeigen, auch seine Widersprüchlichkeit“, erläutert Willi Schmidt. Klein erklärt, es sei interessant gewesen die verschiedenen Facetten des Reformators kennenzulernen und für das Stück die Balance zwischen der historischen Figur, der echten Person und der Jetztzeit zu finden.

Neu ist das Stück für Marburg nicht. Im Mai 2000 führte das Hessische Landestheater das Stück als Open-Air-Produktion vor der Lutherischen Pfarrkirche auf. Und auch Willi Schmidt und Gerlinde Jallow haben nach eigener Aussage das Stück in den 1990er-Jahren im Marburger Schloss sowie in Gießen und Halle aufgeführt.

Gerlinde Jallow, Diplom-Sozialarbeiterin und Gemeindepädagogin beim evangelischen Dekanat Wetterau, war die Initiatorin der „Neuauflage“. Die Aufführung in der Waggonhalle soll aber anders werden, betonen beide. Viel wüssten sie sowieso nicht mehr von der damaligen Aufführung. Allerdings wird Jallow wieder in die Rolle der Margarete, die Tante Karls V., schlüpfen. Das sei eine der wenigen Frauenrollen, die es so auch im Originalstück gebe, betont Willi Schmidt.

Jallow freut sich über die Möglichkeit, wieder an dem Stück zu arbeiten. Besonders wichtig sei Luther ihrer Meinung nach wegen seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche. „Dadurch ist eine Schulbewegung entstanden“, bekräftigt Jallow.

Originalstük dauert acht Stunden

Die Bearbeitung der Waggonhalle von Dieter Fortes „Martin Luther und Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung“ – im Original mit einer Spieldauer von rund acht Stunden – wird 40 kleinen Szenen umfassen. Diese seien oft sehr kurz, Regisseur Willi Schmidt spricht von „filmartigen Wechseln“, die mit sechs Bühnen über den gesamten Raum stattfinden werden.

Für die Produktion seien dieses Mal auch alle jungen Mitarbeiter involviert. „Das hatten wir in dieser Form noch nie“, freut sich Nisse Kreysing. So habe etwa die Praktikantin Malin Brietzke Leinwände bemalt, um die Raumwirkung zu verstärken. Und auch in der Technik, am Bühnenbild und bei der Ausstattung helfen junge Menschen mit, die ihr freiwilliges soziales Jahr in der Waggonhalle absolvieren.

  • Premiere ist am Samstag um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am Sonntag um 18 Uhr sowie am 24. und 25. April um 20 Uhr. Zwei weitere Vorstellungen sind im Mai geplant.

von Mareike Bader

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