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Vulkane aus Anzefahr für Japan

Hans Schohl bei Biennale in Kobe Vulkane aus Anzefahr für Japan

Am 1. Oktober beginnt die Kobe biennale - eine internationale Ausstellung. Einer der 25 von einer Jury eingeladenen Künstler ist Hans Schohl aus Anzefahr. Die Japaner lieben seine kinetischen Objekte.

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Aus Hans Schohls Eisenvulkanen ragen pilzförmige Spitzen, die sich im Licht bewegen und Schattenspiele an die Wand werfen (oben). Schohl (rechts) wurde mit seiner bis zu lebensgroßen kinetischen Skulptur zur Kobe biennale eingeladen.Fotos: Privat / Uwe Badouin

Anzefahr. In seinem großzügigen Atelier in Anzefahr stehen sorgfältig aufgereiht zwölf kleine und drei große Vulkane aus rostigem Eisen. Aus den Kratern ragen pilzförmige Spitzen heraus. Wirft Hans Schohl seine kinetische Skulptur mit dem Titel „The Slowdown Of Time“ - die Verlangsamung der Zeit - an, bewegen sich die „Pilze“ langsam auf und ab, während sie angeleuchtet von einer Lichtquelle im Inneren der eisernen Skulptur zitternde Schatten an die Wände werfen.

Schohl hat jetzt alle Hände voll zu tun, die Arbeiten zu verpacken, sich mit dem Zoll auseinanderzusetzen und sie nach Kobe zu verschicken. Dort wird er seine kinetische Skulptur in einem großen Schiffscontainer präsentieren.

„Art in a Container“ lautete die Aufgabe des internationalen Wettbewerbs. 138 Künstler aus der ganzen Welt bewarben sich, eine Jury wählte 25 aus - darunter Hans Schohl. Die Kobe biennale 2013, die seit 2007 alle zwei Jahre stattfindet, ist schon die vierte große Ausstellung in Japan, zu der Schohl mit seinen kinetischen Objekten eingeladen wurde. 2007 zeigte er sie in den Städten Ube und Kobe, 2009 ebenfalls in Kobe.

Was reizt die Japaner an den meditativen Arbeiten des Bildhauers aus Anzefahr? „Ich denke, es ist die Langsamkeit und das Interesse an dem handwerklichen Charakter der Arbeiten“, meint der 60-Jährige. Er baut in seine Skulpturen einfache, klare Mechaniken ein, sehe man einmal von der Stromzufuhr ab, sei es eine Technik des 18. Jahrhunderts.

Hinzu kommen die Schatten, die eine wesentliche Rolle in der Inszenierung spielen. Schatten haben in der Zen-Kultur Japans eine große Bedeutung. Sie seien für Japaner nah am Nichts, sagt Schohl. Also haben Schohls Schattenspiele auch eine philosophische Dimension, ebenso wie die Langsamkeit oder Entschleunigung, die der Betrachter wahrnimmt, wenn er die merkwürdigen, beweglichen pilzförmigen Spitzen betrachtet.

Beides - der Zeitbegriff und die Schatten - faszinieren die Menschen im Land der aufgehenden Sonne. Zudem gibt es in Japan einen der wohl berühmtesten Vulkane der Welt: Der 3776 Meter hohe Fujiyama wird in Japan geradezu religiös verehrt. Auch das mag zur Faszination beigetragen haben, die die Schohlschen Vulkan-Apparaturen auf die Juroren ausübte.

Das Thema in diesem Jahr lautet saku - übersetzt bedeutet dies soviel wie aufblühen, wachsen, gedeihen, erklärt Schohl, der bei den vergangenen Aufenthalten seine Liebe zu dem asiatischen Land und seiner Kultur entdeckt hat. Er schwärmt nicht zuletzt vom Essen. So will er diesmal nicht nur zur Eröffnung anreisen, sondern die drei Monate der Biennale nutzen, um das Land zu bereisen und Freunde zu besuchen.

Kobe ist eine Großstadt mit rund 1,5 Millionen Einwohnern. Die Hafenstadt mit vier staatlichen und zwölf privaten Universitäten liegt in der Bucht von Osaka. Die Ausstellung findet im Meriken-Parc am Hafen statt. Sie wird von der Stadt Kobe veranstaltet. Eingeladen wurden Künstler aus der Tschechischen Republik, aus Taiwan, den Niederlanden, Norwegen, Frankreich, Südkorea und Japan.

von Uwe Badouin

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