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Von der Trotzphase zur Pubertät

Mütter on Kur Von der Trotzphase zur Pubertät

Man musste die Männer im Publikum am Samstag in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde schon suchen. Ein paar waren da, aber die große Mehrheit war weiblich. Kein Wunder - schließlich waren die "Mütter on Kur".

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Margarete, Thea und Carola sind drei „Mütter on Kur“: Mit Witz und Ironie besangen sie die Tücken des Mütter-Alltags vor 300 begeisterten Frauen.Foto: Jörg Steinmetz

Marburg. Frauen können nie abschalten, das können viele bestätigen. Selbst in der Kur der „Müttergenesungswerke“ dreht sich bei den „Müttern“ Thea Eichholz, Margarete Kosse und Carola Rink alles um ihren Alltag. Um es zu verdeutlichen, wurde aus der Universitätsstadt kurzerhand „Bad“ Marburg. Zwischen Anwendungen wie Blumenampelmakrameeknoten, Angorasockenstricken und backen im eigenen Fett wird beleuchtet, was es heißt Mutter zu sein und Frau zu bleiben. Auch, wenn nicht viele Männer im Publikum sitzen, bleiben die Herren der Schöpfung nicht unverschont. Die Geschlechter sind eben verschieden. „Männer trinken Bier und Frauen Caffè latte“, heißt es gleich beim ersten Lied.

Ach ja, begleitet werden die drei Frauen von einem Mann: Eberhard Rink. Der hat seinen großen Auftritt aber nur während zwei kleinen Unterbrechungen, damit sich die Frauen was Neues anziehen können. Schick darf ,frau‘ ja sein.

Das sind die drei Mütter wirklich, die es zusammen auf acht Kinder bringen. Die in der Zugabe besungene „Hefe“, die in jeder Frau schlummere, ist bei ihnen noch nicht aufgegangen. Selbst in den vermeintlich verhassten Jane Fonda-Gedächtnis-Leggins machen die drei noch eine gute Figur. Dafür sorge schon der Alltag als Mutter: „Ich brauch nicht ins Fitnessstudio, ich krieg auch so nen super strammen Popo“, singen sie und ernten Jubel und Applaus.

Die herrlich-freche Selbstironie der Mütter sorgt sehr schnell für eine lockere Stimmung. Irgendwie findet sich jeder irgendwo im Programm wieder, spätestens beim „Holzfällermann“ über den schnarchenden Helden neben einem nachts im Bett.

Die Rollen werden immer wieder gut verteilt. „Irgendwie vermiss ich die Kinder schon“, sagt Carola. „Joa, ein bisschen schon“, seufzt Thea. „Kommt darauf an“, murmelt Margarete. Eigentlich müsse man die kurze Zeit zwischen Trotzphase und Pubertät genießen. Spätestens mit der ersten Liebe werde es nur noch schlimmer.

Es werden auch ernstere Töne angeschlagen, aber nie ohne ein Augenzwinkern. Mit den Versicherungen sei es nicht immer leicht. So müsse man sich im Alter mitunter für Sehen (Brille), Hören (Hörgerät) oder Essen (neue Kronen) entscheiden, da so wenig von den Krankenkassen übernommen werde. Die Mütter gehen sogar mit sich selbst ins Gericht. Wenn Frauen jammern, dass alles an ihnen hängen bliebe, seien sie oft selbst daran schuld. Wer nichts sage, ändere auch nichts.

Am Ende des Abends war man wahrscheinlich nicht klüger als zuvor. Aber in so einer gelösten Stimmung zu erleben, dass man nicht alleine mit seinen Probleme ist, war sehr beruhigend.

von Mareike Bader

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