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Von der Tanzwut gepackt

Ska-Band „The Talks“ im KFZ Von der Tanzwut gepackt

In England werden „The Talks“ hoch gehandelt. In der nach Sensationen gierenden Musik­szene geht das auch ganz schnell. Am Wochenende stellten sie sich im KFZ vor. Und siehe da: Sie gehen ab.

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Mit Volldampf voraus: „The Talks“-Sänger Patrick Pretorius ist nach wenigen Minuten auf der KFZ-Bühne schweißgebadet und vom Marburger Publikum begeistert.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Samstag, 21.25 Uhr: Keine drei Minuten stehen die fünf Jungs aus dem englischen Yorkshire auf der Bühne, da entledigt sich Sänger Patrick Pretorius seines Sakkos.

Wobei „entledigen“ in diesem Fall bedeutet, dass er es sich vom Leib reißt, und es in die nächst beste Ecke pfeffert. Es ist heiß.

Das liegt nicht an der schlechten Belüftung im Marburger KFZ, sondern daran, dass die Engländer tanzbare Höchstgeschwindigkeitsmusik bieten und sich mächtig ins Zeug legen. Der Funke springt schnell aufs Publikum über.

Wer kein Fan von schnellen Rhythmen und wilden Tanzeinlagen ist, befindet sich definitiv auf dem falschen Konzert. Die 100 Besucher tanzen, was das Zeug hält. Die Musik dazu kommt von der englischen Ska-Band „The Talks“, die mit ihrem 2014 erschienenen Album „Commoners, Peers, Drunks & Thieves“ (deutsch: „Bürgerliche, Freunde, Betrunkene & Diebe“) auf Deutschland-Tour ist. In Marburg seien sie bisher nie gewesen, würden aber liebend gerne wiederkommen, erklärt Pretorius.

Warum? „Ich habe mich auf der Bühne vom ersten Song an wohlgefühlt. Es macht ein Konzert um Längen besser, wenn das Publikum richtig mitgeht. Das war hier und heute absolut der Fall“, sagt der Leadsänger mit leuchtenden Augen.

Pretorius will Lebensfreude vermitteln

Und ob das Publikum „richtig mitgeht“. Der Großteil der 100 Fans tanzt, als würde er über heiße Kohlen laufen: Vom einen Bein aufs andere. Manchmal wird auch nur gehüpft. Für die feurige Glut sorgen die fünf Musiker auf der Bühne, die ihren Zuhörern in Sachen Geschwindigkeit einiges abverlangen. Ska ist nun einmal alles andere als „piano“, sondern ein Musikgenre, das vor allem auf Rock- und Reggae-Elementen basiert.

Gitarren aber auch Blasinstrumente dominieren. Und so legt Pretorius bei vielen Liedern die Gitarre ab und greift sich das Saxophon, mit dem er Tanz- und Lebensfreude verbreiten wolle, so der Engländer.

Die Show endet mit dem Song „Friday Night“. Ein Stück, bei dem Keyboarder Joe Holt mit fast schon unmenschlicher Geschwindigkeit auf die Tasten hämmert und so zum Finale noch einmal gnadenlos an der Taktschraube dreht. Die tanzwütige Menge hat sichtlich Mühe, mitzuhalten.

Als die Instrumente verstummen, wischen sich sowohl Bandmitglieder als auch Fans den glänzenden Schweiß von der Stirn – ein Kräfte zehrender Abend hat seinen krönenden Abschluss gefunden. Den Anheizer machten gekonnt die Marburger Sex‑Ophonics mit ihrem Skacore.

von Benjamin Kaiser

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