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Von der Sehnsucht nach Leben

„Me and my drummer“ spielten im KFZ Von der Sehnsucht nach Leben

Fällt gar nicht auf, dass sie nur zu zweit sind. Orchestrale Wucht brandet da ins Publikum. Matze Pröllochs bearbeitet sein Schlagzeug. Charlotte Brandi hämmert in die Synthesizer und singt von Liebe, Ängsten und „jemanden, den ich sehr vermisse, weil er verrückt geworden ist“.

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Machen zu zweit ganz große Musik: „Me and my drummer“ ­begeisterten 150 Besucher im KFZ.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Bühne ist in Neon-Blau getaucht, ein Hauch von 80ern wabert durchs KFZ. Charlotte Brandis einzigartige Stimme ist mal tief wie ein Ozean, mal hoch wie ein Gletscher.

Sie füllt den Raum mit zarter Wucht. In „Blue Splinter View“ erforscht sie emotionale Tiefen. Schellen und E-Gitarren schleppen sich durch quälende Unzufriedenheit, bis es plötzlich aus Brandi herauskracht: „This Life is 
not a situation, that we will 
except!“ Ein Aufbäumen gegen die Monotonie des Alltags.

Mit ihrem zweiten Album „Love Is A Fridge“ testen die beiden Wahlberliner neue Wege, binden auch mal Gitarren in ihre Songs mit ein. Treibender Glamrock trifft da plötzlich auf sphärische Synthies. Passt ganz gut. Meistens jedenfalls.

Das letzte Lied bleibt nicht das Letzte

Manchmal jedoch wird es sehr experimentell. Disharmonien stören den sonst so einprägsamen Beat. Die Einzigartigkeit verliert sich im Hall. Die 150 Besucher im KFZ starren dann wie paralysiert auf die Bühne. Ist aber nicht schlimm, das schafft Raum, sich innerlich mit den lyrischen Texten auseinanderzusetzen. Denn ihre Musik ist tongewordene Sehnsucht. Nach Sinn. Nach Veränderung. Nach Leben.

Das ist schön. Geht ans Herz und in den Kopf. Die Musik geht in die Beine – die meisten Stücke zumindest. Nachdem das Konzert im März aufgrund einer Kehlkopfentzündung Brandis‘ verschoben werden musste, genießt sie den Auftritt sichtlich. Erzählt von ihrer Kindheit mit Badesalz.

Wie Gerd Knebel mal bei ihnen zu Hause zu Besuch war und sie vor Angst vor dem „großen, komisch redenden Mann mit Glatze in ihr ­Indianertipi“ geflohen ist. Dann babbelt sie herrliches hessisch. Das Publikum lacht und selbst Drummer Matze befindet den Redeschwall seiner Frontfrau als „ungewöhnlich amüsant“.

Doch der Höhepunkt ist die Musik – genauer – das letzte Lied: Der Song, auf den alle warten: „You‘re Runner“ vom ersten Album. Hier passt alles. Ein sensationelles Schlagzeug treibt Brandis bezaubernde Stimme durch einen ergreifenden Text. Es ist einer der besten Indie-Pop-Songs der letzten Jahre. ­Jubel brandet auf. Zugabe.

von Nadine Weigel

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