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Von der Schulaula in die Staatsoper

Jona Rehlich Von der Schulaula in die Staatsoper

Mit „Alle meine Entchen“ fing es einst an - inzwischen hat sich der Philippinum-Schüler Jona Rehlich mit seinem Kontrabass bis ins Bundesjugendorchester gespielt. Am 19. Januar spielt er mit dem Orchester beim Marburger Konzertverein.

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Jona Rehlich mit seinem Kontrabass im Großen Saal der Marburger Musikschule.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Die Begeisterung für klassische Musik wurde Jona Rehlich schon in die Wiege gelegt. Sein Opa leitete selbst mehrere Chöre, seine Eltern nahmen ihn häufig mit auf Konzerte. „Musik war immer schon ein Bestandteil meines Lebens“, sagt Rehlich.

Der 17-Jährige tut Dinge, die die meisten Jugendlichen in seinem Alter auch tun: Sich mit Freunden treffen, Sport machen, „mal ein Bier trinken“. Doch an vielen Wochenenden, wenn andere auf Partys gehen, widmet er sich seiner Leidenschaft für klassische Klänge.

Seit etwa einem Jahr spielt der Marburger im Hessischen Landesjugendorchester, wurde dort nach kurzer Zeit sogar zum Stimmführer ernannt. Seine Herbst- und der Osterferien verbringt er mit Proben an Orten in ganz Hessen. Acht bis neun Stunden am Tag - „Freizeit beschränkt sich auf abends“, sagt er. Viele Entbehrungen also für ein Hobby - doch für Rehlich „ist das überhaupt kein Problem“. Würde er nicht Musik machen (außerdem noch am Klavier) - „ich wüsste gar nicht, was ich den ganzen Tag machen soll“, lacht er.

Jetzt darf er das sogar im Bundesjugendorchester tun - einem Ensemble, in dem junge Nachwuchsmusiker aus ganz Deutschland unter der Leitung namhafter Dirigenten spielen. Während der Arbeitsphasen arbeitet das Orchester unter Anleitung von Dozenten etwa von den Berliner Philharmonikern. Eine große Ehre und zugleich auch Herausforderung. Vom 12. bis 21 Januar geht er mit dem Bundesjugendorchester erstmals in seinem Leben auf eine mehrtägige Tournee.

„Wir spielen in extrem guten Konzertsälen“

„Ich bin gespannt, was mich dort erwartet“, blickt Rehlich voraus. „Das wird wieder eine ganz neue Situation, auf der Tournee jeden Abend die Kraft für den Auftritt aufzubieten.“ Für das im Frühjahr anstehende Abitur muss er dann im Bus oder im Hotel lernen. Vom Unterricht ist er in dieser Zeit befreit, den Abi-Stoff lässt er sich schicken. Die Eingewöhnung in das Orchester dürften ihm in dieser stressigen Zeit aber Mitspieler aus dem Landesjugendorchester erleichtern, denn das ist für ihn „wie eine kleine Familie“. Sorgen, sich zurechtzufinden, muss er sich daher wohl keine machen. Er blickt mit Vorfreude auf die großen Auftritte.

„Wir spielen in extrem guten Konzertsälen“, freut er sich. „Ich manchen tritt man danach vielleicht nie wieder auf - zum Beispiel in der Semperoper in Dresden, in der Staatsoper in Hamburg, in der Philharmonie in Berlin - oder in der Stadthalle in Marburg“, fügt er schmunzelnd hinzu. Am 19. Januar um 20 Uhr kommt das Bundesjugendorchester ins Erwin-Piscator-Haus zum Marburger Konzertverein. „Das passiert vielleicht alle zehn Jahre mal.“ Zu diesem für ihn persönlich ganz besonderen Konzert werden viele seiner Freunde kommen. Auch vom Gymnasium Philippinum.

Hintergrund
Am Donnerstag, 19. Januar, gastiert das Bundesjugendorchester ab 20 Uhr auf Einladung des Marburger Konzertvereins im Erwin-Piscator-Haus. Auf dem Programm stehen Werke von Bach, Mendelssohn, eine Uraufführung von Michael von der Aa sowie das sinfonische Gedicht „Ein feste Burg“ von Enjott Schneider.

Seit der 5. Klasse macht er dort Musik - schnell wurde der Kontrabass zu seinem Instrument. „Wir haben in der Streicherklasse die Instrumente ausprobiert - und aufgrund meiner Körpergröße konnte ich schon nach fünf Minuten ‚Alle meine Entchen‘ spielen. Da war klar, der Große kriegt das große Instrument“, erinnert er sich. Andersherum übte aber auch der riesige Kontrabass eine Faszination auf den heute 1,86 Meter großen Musiker aus. „Jeder Musiker sagt vermutlich, dass sein Instrument das Schwerste ist - bei mir stimmt’s aber wirklich“, sagt er augenzwinkernd. Zumindest benötige der Kontrabass den größten Kraftaufwand.

Mithilfe seines Musiklehrers Simon Backhaus hat er es nun auf die große Bühne geschafft - und am liebsten möchte er da auch bleiben. Sein Traum ist es, von seinen Auftritten als Musiker leben zu können. Im Wintersemester 2017/18 möchte er daher eine künstlerische Ausbildung mit Masterabschluss am Kontrabass beginnen. Damit er eines Tages vielleicht noch einmal in Semperoper, Staatsoper oder Stadthalle auftreten darf.

von Peter Gassner

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