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Von der Mogelei nach Knautschland

Theater Von der Mogelei nach Knautschland

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs standen bei der Premiere des neuen Stücks von Theater Gegenstand auf der Bühne - Au-Pair-Mädchen und Gastmütter begegneten sich wie Wesen aus verschiedenen Galaxien.

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Schon die Glitzerjacke des Au-Pair-Mädchens (Katharina Bohl, links) ist der Gastmutter (Magdalena Kaim) ein Dorn im Auge – es soll sich anpassen, und zwar schnell.Foto: Heike Döhn

Marburg. „Gespräche mit Astronauten“ lautet der Titel des Theaterstücks von Felicia Zeller, das Regisseur Stefan Blix auf die Bühne der Waggonhalle gebracht hat. Aber Gespräche finden nun gerade nicht statt zwischen den Frauen, die da aufeinanderprallen: Auf der einen Seite die jungen Frauen aus offensichtlich im Osten angesiedelten Ländern mit verballhornten Namen wir Mogelei oder Ukulele, die sich vom Westen ein besseres Leben erhoffen.

Kuschelpädagogik und knallharter Befehlston

Auf der anderen Seite die Mütter aus „Knautschland“, die in den Mädchen ihre Chance auf ein Leben neben Kindern und Haushalt wittern und beides kurzerhand an ihre Au-Pairs übergeben.

Die vier Darstellerinnen Katharina Bohl, Regina Guiwan, Magdalena Kaim und Rola Kramer schlüpfen mal in die Rolle der Mütter, mal in die ihrer ausgebeuteten Gäste. Die Fronten sind schnell geklärt:Die Mädchen fühlen sich ausgebeutet und haben keinerlei Verständnis für die politisch und ökologisch korrekte Lebensweise der Knautschländerinnen, die ständig alles besser wissen und mit ihrer penetranten Mischung aus Kuschelpädagogik und knallhartem Befehlston ziemlich nerven. Die Frauen sehen in den Au-Pair-Mädchen nichts anderes als Entlastungsmaschinen und möchten sie am liebsten im Haus einsperren - nur im Weg sein sollen sie da auch nicht. Und die Mädchen verlieren schnell all ihre Illusionen.

Das Ganze ist ein rasantes Spiel mit Worten, die die Protagonistinnen abfeuern wie Gewehrkugeln. Da dreht sich jede nur um sich selbst und trotz vieler Sätze findet keine Gehör. Glücklich sind sie alle nicht, und jede ist sich selbst die Nächste. Nur als Stimme aus dem Off vorhanden sind die Männer, die ihren Vaterpflichten äußerst sporadisch vorkommen - sie sind die Astronauten, die fern vom Alltagsfrust ihrer Frauen über allem schweben.

Dabei bedient das Stück viele Klischees - allerdings Klischees, die man in der Realität am Rand jedes Sandkastens beobachten kann. „Gespräche mit Astronauten“ leuchtet einen kleinen Teil menschlichen Miteinanders aus und exerziert daran vor, wie Kommunikation und Miteinander eben nicht funktionieren.

Das hat keinen allzu großen Tiefgang, ist aber äußerst unterhaltsam, vor allem wegen des rasanten Tempos der Inszenierung und des pointierten Spiels der Darstellerinnen, bei denen sich Magdalena Kaim und Katharina Bohl mit großer Wandlungsfähigkeit hervortun.

„Gespräche mit Astronauten ist heute, morgen und Sonntag jeweils ab 20 Uhr in der Waggonhalle zu sehen.Von Heike Döhn

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