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Von alten Bäumen und neuen Freunden

Marburger Sommerakademie Von alten Bäumen und neuen Freunden

Alljährlich zeigt sich die Marburger Sommerakademie nach zwei von drei Kurswochen transparent: Besucher können die Ateliers und Werkstätten besuchen und sich ansehen, was die Teilnehmer erarbeitet haben.

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Die Teilnehmer arbeiten nicht nur mit dem Pinsel, sondern auch mit einfachen Plastikbestecken.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Vom Hof der Elisabethschule sind die Geräusche von Hämmern und Feilen zu hören. In der Cafeteria des Gymnasiums Philippinum riecht es nach Farbe. Und die Turnhalle ist an diesem Nachmittag eine Bühne. Nachdem zwei von drei Wochen der Marburger Sommerakademie vergangen sind, öffnen sich die Türen der Ateliers, Werkstätten und Studios, in die sich die Schulräume in der Leopold-Lucas-Straße für die Zeit der Sommerakademie verwandeln. Und mehrere Kurse haben Aufführungen vorbereitet.

Ana Laibach präsentiert mit ihrem Kurs, in dem es eigentlich um freie Malerei geht, „drei Worte“. Damit es nicht nur etwas zu sehen, sondern auch zu hören gibt. Anemone Poland hat mit den Teilnehmern ihres Kurses eine „Schau der Variationen“ vorbereitet. Und beim Mime Oliver Pollak ist das Motto „Spiegel? Schnuppe!“ Zwischen den Aufführungen können die Besucher über das Gelände bummeln und mit den Akademie-Teilnehmern ins Gespräch kommen.

Ruth Grünewald aus der Nähe von Gießen kommt bereits seit mehreren Jahren immer wieder zur Sommerakademie – eine von vielen „Wiederholungstätern“, wie sie liebevoll genannt werden. Ihr hat es die Steinbildhauerei angetan. Kein Gedanke daran, es zum Beispiel einmal mit der Malerei zu versuchen? „Nein, das Zweidimensionale ist nichts für mich“, sagt sie. Es sei schön, andere Teilnehmer wiederzusehen. Und jedes Jahr mehr auszuprobieren. Man traue sich mit der Zeit einfach mehr, so Grünewald.

Auf der anderen Straßenseite bearbeitet eine Teilnehmerin ein altes Stück Holz – ein abgestorbener Pflaumenbaum aus dem eigenen Garten, wie sie erklärt. Dass sich darin ein Gesicht verbirgt, das habe sich erst mit der Zeit und dem Arbeiten gezeigt. Um genau solche Entwicklungen geht es. Martin Seidemann, der künstlerische Leiter im Bereich der bildenden Kunst, hatte zur Eröffnung allen Teilnehmern Mut und Entschlossenheit gewünscht, Neues zu entdecken und herauszufordern. Seit 1977 will die Marburger Sommerakademie – die erste ihrer Art in Deutschland, genau das fördern.

Ebenfalls erneut dabei war Brigitte Krüner aus Hamburg. Sie hat sich nach dem Eintritt in den Ruhestand auf ihr Hobby, die Malerei, konzentriert und in diesem Jahr nicht nur die Schwester, sondern auch noch eine Freundin mit nach Marburg gebracht. „Die Hamburger Mädels“ werden sie im Kurs von András Ernszt genannt, erzählt sie lachend. Im nächsten Jahr soll die Delegation aus dem Norden vielleicht noch größer werden. Eine Neuerung in diesem Jahr: Obwohl sie sonst nie ohne ein rotes Bild aus Marburg abreiste, hat sie dieses Mal in anderen Farben gearbeitet.

Gäste aus dem Ausland haben inzwischen auch Tradition bei der Sommerakademie. Es werden in die beiden Partnerstädte Poitiers und Sibiu Stipendien vergeben. Diana Nicole Stinghe, Andreea Nicoleta Craciun, Camille Gouvine und Rojer Feghali dürfen in diesem Jahr teilnehmen. Letzterer war bereits 2014 Stipendiat und hat seitdem an den Impressionen gearbeitet, die er aus Marburg mitgenommen hat. Er ist zum zweiten Mal dabei und wird seine Bilder aus Marburg demnächst in Poitiers ausstellen, wie er erzählt.

Außerdem konnte einem weiteren Gast die Teilnahme ermöglicht werden: Waleed Nezamy, der aus Syrien stammt und seit dem vergangenen Jahr in Marburg lebt. Der studierte Maler und Designer sucht derzeit ein Atelier, um arbeiten zu können. Die Sommerakademie sieht er als eine große Chance, wie er sagt – auf Arabisch, von Rojer Feghali ins Französische übersetzt. Nicht nur, was die eigene künstlerische Entwicklung angeht, sondern auch im Hinblick auf den Austausch verschiedener Kulturen. Auch Englisch und die Übersetzung „mit Hand und Fuß“ kommen im Gespräch zum Einsatz. So geht Völkerverständigung bei der Sommerakademie.

von Nadja Schwarzwäller

Besucher schauen sich in einem der vielen Ateliers der Marburger Sommerakademie um, die älteste ihrer Art in Deutschland. Fotos: Nadja Schwarzwäller
 
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