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Von Tod, Trauer und Menschlichkeit

Theater GegenStand Von Tod, Trauer und Menschlichkeit

Das Theater GegenStand zeigte "Dehlie Ein Tanz" des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew .

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Um Tod und Leid kreist „Delhi“ – diese Szene eine Gespräch zwischen Mutter und Tochter.

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Ist das Leben Glück - oder letzten Endes immer Unglück und Schmerz? Ist es möglich, glücklich zu sein, ohne dass andere unglücklich sind? Ist es nicht die beste Lösung, einfach alles, was geschieht, zu akzeptieren und gar nicht mehr nach den Schuldigen zu fragen? Nur, falls ja - was ist dann mit Auschwitz? Schnell wird klar: In dem Stück „Delhi - Ein Tanz“, mit dem Theater GegenStand am Donnerstag in der Waggonhallen Premiere feierte, geht es um die ganz großen Fragen. Das Stück des jungen russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew hält sich dabei weder mit intensiven Bildern noch mit philosophischer Wucht zurück.

Zu Beginn der Inszenierung befreien sich die Hauptdarsteller aus beängstigend eng verschnürten weißen Plastik­säcken, während im Hintergrund auf der Leinwand Spermienzellen wuseln. Eine klare Handlung mit Anfang und Ende gibt es nicht. Dieselbe Szene wird mit kleineren und größeren Abweichungen immer neu erzählt. Die Figuren bleiben, wechseln allerdings die Position und entsprechend wechselt auch ihre Bedeutung.

Immer wieder Krankenhaus

Immer befinden sich die Personen im Krankenhaus, meistens ist eine von ihnen gestorben oder operiert worden. Da ist zunächst Katja, die junge Tänzerin, die ihren einzigartigen Tanz aus den grausigen Eindrücken der Elendsviertel in Delhi gewonnen hat und mit diesem Tanz nun viele Zuschauer begeistert. Einer ihrer größten Bewunderer ist André, der allerdings verheiratet ist und Kinder hat, sich aber dennoch in die junge Katja verliebt.

Eine ältere Freundin Katjas, oberflächlich, ja ignorant gegenüber der Außenwelt, ist ebenfalls in den meisten Szenen präsent. Auch Katjas Mutter spielt eine Rolle, auch sie hatte Tänzerin werden wollen, wirft der Tochter jedoch deren eigenartige Inspiration vor.

In den meisten Fassungen der sich immer wiederholenden Szene, die auf sieben Kurztexten beruhen, ist Katjas Mutter entweder an Krebs erkrankt oder gerade für tot erklärt worden: So oder so stellt Katja dazu nur überrascht fest, dass sie nichts empfinde.

Alles ist verbunden durch das Leben

Manchmal ist aber auch Katja selbst oder aber Andrés Frau gerade verstorben, was wiederum den unglückseligen Verehrer mit sich hadern lässt. Und all das ist verbunden durch Katjas Tanz des Lebens, den sie zwischen Tierkadavern und Krüppeln für sich entdeckt hat. Beschreiben kann man diesen Tanz nicht, nur erleben. Immerhin wird so viel durch ihn klar.

Wie geht man mit Trauer um? Gibt es Schuldige an Leid und Unrecht? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Stück des Russen, das von der jungen Polin Ewa Galicia inszeniert wurde, die vor einem Dreivierteljahr nach Marburg kam. Ewa Galicia betont: „Wir müssen uns auf unsere Menschlichkeit konzentrieren, inmitten der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft.“ Das Stück dürfte bei den 70 Premierenzuschauern einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Es war außerdem von Freitag bis Sonntag zu sehen.

von Marcus Hergenhan

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