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Von Molekülen bis zur Theorie für Alles

Science Slam Von Molekülen bis zur Theorie für Alles

Forschung in zehn Minuten möglichst verständlich und humorvoll zu erklären, das versuchten fünf Wissenschaftler nun zum neunten Mal beim beliebten Science Slam des Hessischen Landestheaters Marburg.

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Der 75-jährige Privatgelehrte und Science Slam-Debütant Dr. Eugen Schweitzer, bisher ältester Kandidat in Marburg , hielt einen spannenden, jedoch die meisten Zuhörer wohl hoffnungslos überfordernden Vortrag. Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. In der wie stets Wochen vorher ausverkauften kultigen Wissensschlacht erlebten die 202 Zuschauer im Theater Am Schwanhof diesmal den Sieg eines Marburger Diplom-Physikers und zudem eines Science Slam-Debütanten. Tobias Breuer von der Philipps-Universität gewann mit seiner „Geschichte von tanzenden und laufenden Molekülen“.

Bei seinem unterhaltsamen Vortrag hinterfragte er sich selbstironisch, was ihn zum Forschen antreibe. Dafür erhielt er von der fünfköpfigen Publikumsjury zweimal die maximal zu vergebenden zehn Punkte, die einzigen Höchstwertungen an diesem Abend, dreimal acht sowie zehn Extrapunkte.

Eigentlich beschäftigt er sich mit Struktur, Wachstum und Morphologie von Dünnfilmen organischer Halbleiter. Man erfuhr, dass Moleküle, die in die Gasphase übergehen, sich jeweils einen Partner suchen, sozusagen mit- oder auch gegeneinander tanzen. Als praktische Anwendungen seiner Forschung nannte Breuer faltbare Handys oder Jacken mit Solarzellen.

Sehr viel Heiterkeit verbreitete der Vortrag der Zweitplatzierten Sarah Kohler aus Münster. Viele Besucher erkannten in der unter dem Titel „facebook statt Hausarbeit“ dargestellten Prokrastination wohl ihren eigenen Drang zum Aufschieben dringender Arbeiten wieder. Der Grund: Es macht einfach Spaß, so Kohler. Ihr erstaunlich einfacher Rat am Ende: „Ihr müsst einfach tun, was ihr tun sollt“.

Platz drei erreichte der Virologe Dr. Timo Sieber vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf , der 2011 schon deutscher Science Slam-Vizemeister war. Er klärte das Publikum darüber auf, dass Angela Merkel (wie wir alle) nichtmenschliche Gene in uns tragen.

Der 75-jährige Privatgelehrte und Science Slam-Debütant Dr. Eugen Schweitzer, bisher ältester Kandidat in Marburg, hielt einen spannenden, jedoch die meisten Zuhörer wohl hoffnungslos überfordernden Vortrag über das auf Platons Atlantis-Erzählung basierende Thema „Die Vierte Dimension als Einstieg in die Zukunft“. Wichtiger war, dass Dr. Eugen Schweitzer spürbar vermittelte, immer noch von Neugier und Spaß an seiner Arbeit angetrieben zu werden.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer Jens Flammann, kam mit seinen Überlegungen zu einer künftigen Wissenschaftsorganisation auf Platz fünf - ein Teilnehmer war erkrankt und ausgefallen.

Durch den Wettbewerb führte wie gewohnt die hornbebrillten Vize-Intendantin Dr. Christine Tretow mit ihrem gut gelaunten indischen Assistenten Abhi. Dr. Tretow leitete den Abend mit spitzzüngigen und erheiternden Bemerkungen zur zunehmenden Ökonomisierung der Forschung in Deutschland ein, die dazu führe, dass man seine Ergebnisse vor Veröffentlichung zuerst einer Bank oder gar einem Kaffeeröster vorlegen müsse.

Der nächste Science Slam findet am 7. Februar statt. Wissenschaftler können sich dafür mit ihrem Vortrag ab sofort beim Hessischen Landestheater anmelden.

von Manfred Schubert

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