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Vom Überwinden von Traumata

Jan Costin Wagner zu Gast beim Krimifestival Vom Überwinden von Traumata

Eine Sprache finden für Fragen und Ängste – das war für Jan Costin Wagner die Motivation zum Schreiben. Mit neuen Kurzgeschichten war er nun erneut zu Gast beim Krimifestival.

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Jan Costin Wagner war im Rahmen des Krimifestivals in Michelbach zu Gast.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Michelbach. Ein bisschen enttäuscht sei sie, gestand eine Besucherin der Lesung von Jan Costin Wagner in der Michelbacher Kulturscheune. Sie sei ein Fan von seinem Kommissar Kimmo Joentaa und habe auf ein Wiedersehen gehofft. Auch wenn klar war, dass Wagner nicht mit einem neuen Krimi anreisen würde, sondern mit Kurzgeschichten.

Tatsächlich, verriet der Autor, es habe die Idee gegeben, Kimmo in eine Erzählung einzubauen, aber dann habe er sich doch dagegen entschieden. Dies sei ein ganz eigenständiges Projekt und Kimmo wolle er sich dann wieder gesondert widmen.

Jan Costin Wagner hat sich Zeit gelassen mit seinem neuen Buch. So, wie er sich immer Zeit lässt. Nur alle zwei bis drei Jahre veröffentlicht er etwas. „Ich kann immer nur schreiben, wenn es eine tragfähige Idee gibt“, erklärte der Autor in der Kulturscheune in Michelbach. Einen ersten Satz schreibe er nur, wenn er wisse, dass auch ein letzter folgen könne. Über den denke er dann aber „keinen Meter“ hinaus. Insofern wisse er auch noch nicht, was als nächstes komme. Aber – er hätte große Lust, Kimmo wiederzubegegnen, so Wagner.

Autor spielt auch am Klavier

Die Figuren, denen die Leser von „Sonnenspiegelung“ nun erst einmal begegnen können, sind allesamt mit Extremsituationen konfrontiert – „Kippmomenten“, wie Wagner selbst sagt. Er hatte für seine Lesung beim Krimifestival zwei Geschichten ausgewählt, in denen ein Verbrechen, eine Begegnung mit dem Tod die entscheidende Rolle spielt. „In stillen Nächten“ nimmt eine junge Frau Rache am eigenen Vater, der sie als Kind missbraucht hat, und in der titelgebenden Geschichte „Sonnenspiegelung“ bringt das Auftauchen eines geheimnisvollen Fremden ein Geheimnis ans Licht.

Auf seinen Lesungen liest Jan Costin Wagner aber nicht nur, er spielt auch eigene Kompositionen am Klavier. Auch in seinen Büchern spiele Musik oft eine große Rolle – was man manchmal sogar erst hinterher bemerke, so Wagner. „Im Kern geht es mir immer darum, auszuloten, wie eine Überwindung gelingen kann – von Traumata, von Leid“, sagt der Autor über sein Schreiben.

Um zu schreiben, dafür müsse auch die Umgebung passen, in der er sich befinde. Sein erster Roman entstand übrigens in Finnland, wo er seine heutige Frau kennengelernt hat. Und beim Fragen beantworten räumt er dann auch gleich mit dem Gerücht auf, dass alle Finnen Trübsal blasen.

von Nadja Schwarzwäller

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