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Vom Suchen und Finden von Schätzen

Alex Capus: „Reisen im Licht der Sterne“ Vom Suchen und Finden von Schätzen

Interessante Lebensgeschichten und spannende Reisen – der Erfolgsautor Alex Capus beschäftigt sich in seinen Romanen mit den außergewöhnlichen Facetten des Lebens. Sein neues Buch dreht sich um den Erfinder der „Schatzinsel“.

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Im Anschluss der Lesung nahm sich Capus Zeit, den zahlreichen Signierwünschen nachzukommen.

Quelle: Selina Boucsein

Marburg. Manfred Paulsen, der die Veranstaltung moderiert, möchte ihn gar nicht mehr vorstellen, so oft sei Alex Capus schon in Marburg gewesen. „Ich kenne mich hier richtig gut aus“, behauptet Capus selbst. „Im Hotel begrüßen sie mich mit ‚Ach, Herr Capus, wieder hier?’“ – beim bereits siebten Aufenthalt mehr als verständlich. Dieses Mal hat er sein neues Buch im Gepäck.

Im Technologie- und Tagungszentrum präsentiert der 54-Jährige „Reisen im Licht der Sterne“, ein Buch über das Leben des Schriftstellers Robert Louis Stevensons. Stevenson wurde vor allem durch die Klassiker „Die Schatzinsel“ und „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ bekannt, verfasste aber auch einige Kurzgeschichten und Reisereportagen. Die zahlreichen Besucher durften sich auf eine Lesung der anderen Art freuen. Denn statt das eingeschweißte Buch auszupacken, die Lesebrille aufzusetzen und einige Stellen vorzulesen, gab Capus den Inhalt über eineinhalb Stunden frei wieder.

Die Idee, über das Leben Stevensons zu schreiben, kam dem populären Autor, dessen Romane es immer wieder auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffen, nicht von selbst. Der Anruf eines Schweizers, der in der Südsee segelte und behauptete, er kenne die echte Schatzinsel Stevensons, habe ihn inspiriert, sagt er.

Schweizer mit trockenem Humor

Herausgekommen ist ein Buch, das sich mit der Frage befasst, wie sich ein damals durchschnittlich erfolgreicher Autor und Alleinverdiener der Familie auf der Südseeinsel Samoa einen riesigen Palast für seine Frau Fanny, ihre Kinder und seine Familie bauen konnte. Und warum bloß enthielt dieser einen begehbaren Tresor?

„Ich will nichts gesagt haben, aber verdächtig ist das schon“, meint Capus. Sollte der Erfinder der „Mutter aller Schatzinseln“ womöglich selbst einen Schatz gefunden haben? So ähnlich zumindest deutet es Capus an. Mit staubtrockenem Humor liefert der Schweizer verschiedene Beweise für diese Theorie, ohne sie jemals ausdrücklich auszusprechen.

Warum etwa sei Stevenson überhaupt auf Samoa geblieben, wo doch Tagebücher bewiesen, dass es ständig Streit gegeben und ihn das Klima kränklich gemacht habe? Das Publikum hat sicht- und hörbar Spaß, kaum eine Minute vergeht, in der der Schriftsteller nicht für einen Lacher sorgt.

Capus schweift immer wieder ab, um von anderen Schatzinseln und -suchenden zu berichten. Den Schatzsuchern im Publikum rät er allerdings zu einer gesunden Skepsis. „Piraten haben keine Schätze auf verlassenen Inseln vergraben, die haben sie am nächsten Hafen fürs Saufen und Rumhuren verjubelt“, sagt Capus.

Und wenn überhaupt, dann würden Schätze grundsätzlich von Spaziergängern gefunden, die an einem Sonntag nur mal schnell mit dem Hund raus müssten. Wer jedoch beim Verlassen der Lesung ein Buch vom Büchertisch ergatterte und es von Alex Capus signieren ließ, der durfte sich einen kurzen Moment fühlen, als habe er einen wertvollen Schatz in den Händen.

  • Alex Capus: „Reisen im Licht der Sterne“, Hanser Verlag, 224 Seiten, 19,90 Euro.

von Selina Boucsein

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