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Vom Liebesrausch bis zum Rausschmiss

Frauenchor Piano Marbach Vom Liebesrausch bis zum Rausschmiss

Konzerte des Chores Piano in der Markuskirche haben Tradition. Hinzu kommt jetzt das Konzert „Can‘t help falling in love“, das Katharina Kutsch raffiniert zusammengestellt hat: Quer durch die Jahrhunderte von Morley bis Abba werden alle Freudens- und Leidensphasen der Liebe durchlebt.

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Der Frauenchor Piano gab ein Konzert in der Markuskirche.Privatfoto

Marburg. Von der zarten Sehnsucht bis zum schroffen Rausschmiss. Von Solisten, Chor und Pianist lebendig umgesetzt, werden die Akteure nach einem zweistündigen Musiziermarathon vom Publikum gefeiert.

Der Frauenchor macht seinem Namen alle Ehre. Die Pianopassagen bei den Romantikern Brahms, Schumann und Mahler bestechen. Die dynamischen Spannungen bis zum Fortissimo verraten intensives Training aus Profihand. Da bleiben keine Wünsche offen, wenn es um Stimmbildung und Intonationssicherheit geht. Der Kontakt zum Publikum reißt nie ab. Da haben einige Zuhörer die weichen Legatobögen bei Maierhofer schlicht mitgesummt. Einzig die rhythmische Präzision kann vereinzelt geschärft werden.

Solistisch glänzten die Soprane Chiara Fürniss und Elena Walter. Die beiden Studentinnen der Gesangsklasse von Katharina Kutsch singen Opernarien und steigern sich in „Figaros Hochzeit“ mit dem in italienisch gesungenen Duett „Wenn die sanften Abendwinde“ zu einem musikalischen Höhepunkt. Zum Schwärmen schön gelingt etwa der Terzaufgang bis g2. Hier stellen sich die künftigen Bühnenakteure vor!

Ein Sonderlob gebührt dem Pianisten Alexander Lenz, der im Dauereinsatz Solisten und Chor begleitet, mal geschmeidig angepasst, dann wieder Impuls gebend. Sein Tastenspiel beschreibt Situationen wie im Nachspiel von Mahler „Ich ging mit Lust“ mit auslaufendem Ritardando und setzt fetzige Akzente bis hin zu eigenen Glissandi zum Einheizen des Rhythmus. Warum hat er kein Klaviersolo gespielt?

Katharina Kutsch ist Chefin im Ring. Sie organisiert, steuert Chorliteratur bei, moderiert locker und pointiert, dirigiert ihren Chor präzise und körperhaft.

Als Solistin ist sie diesmal von der großen Bühnenliteratur abgerückt - mit Ausnahme des emotionalen Giuditta-Beitrags. Sie demonstriert die hohe Kunst des Liedes.

Einen musikalischen Hochgenuss erleben die Zuhörer mit Richard Strauss‘ „Allerseelen“. Da geht es um Entsagung, Trauer und Abschied in der Liebe. Zum Schluss gab es viel Beifall.

von Reinhold Hartmann

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