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Vom „Handcheese“ zum Presskopp

Badesalz in Stadtallendorf Vom „Handcheese“ zum Presskopp

Hessisches Gebabbel und Geblödel mit Badesalz zieht auch nach mehr als 30 Jahren noch: An zwei Abenden kamen je etwa 500 Besucher in die Stadthalle, um das neue Programm „Dö Chefs!“ zu erleben.

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Gerd Knebel greift zur Gitarre, Henni Nachtsheim zum Saxofon: Mitreißende, ebenso komische wie musikalisch gekonnte Einlagen gehören zu jeder Badesalz-Show dazu.

Quelle: Manfred Schubert

Stadtallenorf. Enthusiastisch begrüßte das vom Alter her von Mitte 20 bis ins Rentenalter gut durchmischte Publikum Henni Nachtsheim und Gerd Knebel schon beim Betreten der Bühne. Und es wurde nicht enttäuscht, zahlreiche weitere Beifallsstürme und viele Lacher folgten im Laufe des Abends. Die Rahmenhandlung: beide sind Besitzer zweier schlecht gehender Kneipen, die nebeneinander am Stadtrand liegen. Auf der Speisekarte von „Paul’s Texas Pub“, natürlich mit Idioten-Apostroph, wie das heutzutage zur guten schlechten Rechtschreibung gehört, steht Frikadelle mit und ohne Serviette, „Beim Henry“ gibt es etwas mehr Auswahl.

Das bietet Stoff genug für zahlreiche gegenseitige heiten und Sticheleien, aber als die beiden Wirte vom geplanten Abriss ihrer Kneipen erfahren, reifen Pläne für eine Fusion.

Und die Idee für den Namen des gemeinsamen Lokals enthüllt dann auch, was hinter dem, traditionell nicht auf den ersten Blick seinen Sinn offenbarenden, Titel des Programms steht. „Deux Chefs“, also zwei Chefs, schreibt Paul natürlich schön hessisch mit ö. Insbesondere die erste Hälfte der rund 90-minütigen Show bot ein Feuerwerk an guten, scharfzüngigen Pointen und gelungenen bissigen Seitenhieben auf so manche Entwicklungen in der Gesellschaft. Etwa den Trend zur Tätowierung. „Geh doch mal ohne Tätowierung zur Bank und frag nach ‘nem Kredit, da kriegst du so keinen mehr, weil die alle tätowiert sind“, erklärt Paul.

Auch die Event-Gastronomie kriegt ihr Fett weg. „Wir lassen eine Kakerlake auf Handkäs balancieren, zum Schluss springt sie durch einen brennenden Zwiebelring“, schlägt Paul vor, und allein die Vorstellung treibt den Zuhörern Lachtränen in die Augen.

Und natürlich muss die Speisekarte sprachlich aufgepeppt werden. Da wird Henry ungeheuer kreativ: simpler Senf wird zu „goldgelber edler Sauce“, der Handkäs zum Goldtaler zwischen Diamanten, der zum „orchestralen Finale“ führt.

Blödeleien, Wortwitz und urkomische Musik-Einlagen

Großartig auch die Oscar-Rede von Nachtsheim in schönstem „Henglisch“, in der er in Kittelschürze und mit Bembel alle kulinarischen Köstlichkeiten der hessischen Heimat vom Handcheese über Presskopp in Verbindung mit den Hollywoodstars bringt: „Bruce Willis, when you come to Germany, we go to drink an Äppler and then you will die hard on the toilet.“

Zwischendurch dürfen die Zuhörer bei einem „echt durchgeknallten“ Spanischkurs mit explodierendem Recorder mitmachen, denn am Ende wandern die beiden als „Dos Chefos“ nach Spanien aus und gründen dort eine sehr erfolgreiche neue Existenz, wie eine Diaschau mit Promis und Semi-Promis bewies.

Die zweite Hälfte des Programms war mehr von Blödeleien und Wortwitzen geprägt, aber auch von mitreißenden, ebenso komischen wie musikalisch gekonnten Einlagen, die zu jeder Badesalz-Show dazugehören. Neben sehr witzigen Versionen von Pharell Williams‘ „Get Lucky“ und „Happy“ begeisterte vor allem am Schluss eine neue Hessenhymne mit den Zeilen: „Antonio Banderas könnt ihr vergessen/ Was ist schon Julio Iglesias gegen zwei gut gebaute Hessen.“

von Manfred Schubert

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