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Vom Erwachen einer Inselbegabung

Eva Baronsky las im Café Vetter Vom Erwachen einer Inselbegabung

In ihrem Debütroman „Herr Mozart wacht auf“ findet sich der berühmte Komponist im 21. Jahrhundert wieder, nun lässt Eva Baronsky in „Manchmal rot“ eine Putzfrau ihr Gedächtnis verlieren. Geschichten ums Erinnern und Erwachen haben es ihr offenbar angetan. Am Sonntag stellte sie ihr Buch im Café Vetter vor.

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Die Autorin Eva Baronsky stellte im Café Vetter ihren Roman „Manchmal rot“ vor.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Nur noch schnell die kaputte Glühbirne auswechseln. Dass sie ihre S-Bahn deswegen nicht mehr bekommen wird, das hat Putzfrau Angelina im Kopf. Dass sie von der Leiter fallen und als sie später im Krankenhaus aufwacht nicht mehr wissen könnte, wer sie ist, das ahnt sie natürlich nicht. Genau das passiert aber. Und damit nimmt nicht nur ihr eigenes Leben eine Wendung, sondern auch das Leben von Anwalt Christian, in dessen Wohnung sie – illegal beschäftigt – auf die Leiter gestiegen ist.

Eine DVD über früher so genannte „idiots savants“, habe sie schon vor vielen Jahren auf die Idee zu diesem Stoff gebracht, erzählte Eva Baronsky bei ihrer Lesung vor lediglich gut einem Dutzend Besucher: „Inselbegabungen“ – Menschen, die behindert oder entwicklungsgestört und dabei in einem bestimmten Teilbereich aber Genies sind. Häufig seien es Autisten, so die Autorin, aber in sehr seltenen Fällen könne auch ein Schlaganfall oder ein Unfall so etwas auslösen. Eines der berühmtesten Beispiele: der autistische „Rainman“, der durch den gleichnamigen Film bekannt wurde und dem eine reale Person zugrundeliegt.

Baronskys Romanfigur Angelina verliert durch den Sturz von der Leiter zwar ihr Gedächtnis, aber sie entwickelt damit auch eine „Synästhesie“ – eine Kopplung verschiedener Wahrnehmungen, bei der die Betroffenen Musik „sehen“ oder Worte mit einem Geschmack assoziieren können. Außerdem kann Angelina plötzlich lesen, nachdem sie die Zettel ihres Arbeitgebers zuvor mit dem Handy fotografieren und sich von ihrer Freundin entziffern lassen musste. Angelina findet sich in der Person, die einmal gewesen sein soll, nicht mehr wieder und die Ereignisse verändern auch für Christian, dem sein Leben auf der Überholspur zwischen illegalen Provisionen und der Trennung von seiner Freundin längst entglitten ist, alles.

Der Roman ist aus beiden Perspektiven erzählt und beide Figuren haben ihre ganz eigene Sprache, erklärte Eva Baronksy. Ein neues Buch hat die 46-Jährige inzwischen ebenfalls beendet. Es beschäftigt sich mit Märchen, verriet sie.

von Nadja Schwarzwäller

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