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Virtuose Orchesterkunst und lyrisches Schwelgen

Studenten-Sinfonie-Orchester Virtuose Orchesterkunst und lyrisches Schwelgen

Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) ist auf Filmmusik abonniert: Jedes Konzert endet mit einer Zugabe aus diesem Genre. So auch am Dienstagabend, als der Soundtrack zum Fantasy-Streifen „Chroniken von Narnia“ erklang.

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Ulrich Manfred Metzger dirigierte das Studenten-Sinfonie-Orchester im Audimax.Foto: Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Beim aktuellen Semesterabschlusskonzert des SSO im Audimax wird jedoch nicht nur als Zugabe, sondern auch zu Beginn des offiziellen Programms Filmmusik gespielt. Sie stammt aus dem wunderbaren Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Fantasia“ von 1940, ist aber bereits 1897 komponiert worden: „Der Zauberlehrling“ nach Goethes gleichnamiger Ballade hat den aus dem Elsass stammenden Komponisten Paul Dukas unsterblich gemacht - sein übriges insgesamt schmales Oeuvre wird hauptsächlich in Fachkreisen hochgeschätzt.

„L‘apprenti sorcier“ ist ein Geniestreich und ein Meisterwerk virtuoser Orchesterkunst - eine Herausforderung für ein Laienorchester wie das SSO, das diese mit bedingungsloser Hingabe annahm und dabei geradezu über sich hinauswuchs. Am Pult sorgte Ulrich Manfred Metzger für Übersicht im Furioso des entfesselten Orchesterkontrapunkts. Dieser schildert ungemein bildhaft das Chaos, das der vom Zauberlehrling zum Leben erweckte Besen anrichtet. Das war in jeder Hinsicht hinreißend musiziert - und zugleich eine Marburg-Premiere.

Verhaltenere Töne stimmte das SSO im zweiten Hornkonzert von Richard Strauss an. Er hat es gegen Ende seiner achten Lebensdekade komponiert. Und es ist in seiner milden Abgeklärtheit eindeutig ein Alterswerk. Aber gleichzeitig blickt Strauss in dem 1943 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Werk auch zurück auf seine Jugendzeit.

Samtig-weicher Ton und berückende Klangpoesie

Das macht den Reiz dieser Komposition aus, in der sich der Meister opulent instrumentierter sinfonischer Dichtungen und Opern geradezu kammermusikalisch diskret gibt. Den Solisten lässt er in weit ausschwingenden Melodien schwelgen, verlangt ihm jedoch auch ein gehöriges Maß an fein ziselierter Virtuosität ab. Joachim Pfannschmidt, stellvertretender Solohornist im Kasseler Staatsorchester, meisterte dies mit samtig-weichem Ton, berückender Klangpoesie und müheloser Technik.

Nach der Pause stand die erste der drei „großen“ Sinfonien von Peter Tschaikowsky auf dem Programm. Der Komponist hat die „Vierte“ gegenüber seiner Gönnerin Nadeshda von Meck mit für ihn ungewohnter Offenheit analysiert und seine Gefühlswelt, die er in Töne gesetzt hat, offengelegt.

Das hat viele Dirigenten dazu verführt, vorrangig in den Emotionen der f-Moll-Sinfonie zu baden. Metzger hingegen meisterte glänzend die schwierige Gratwanderung zwischen hochdramatischer Emphase und analytischer Klarheit.

Das SSO musizierte an allen Pulten in Hochform. Die fabelhaften Blechbläser und Hörner trumpften kraftvoll mit dem einleitenden und im turbulenten Finalsatz wiederkehrenden Schicksalsthema auf, die Holzbläser sorgten für lyrische Kontraste - hervorzuheben ist das eindringliche Oboensolo zu Beginn des melancholischen zweiten Satzes. Die Streicher „sangen“ und meisterten mit bewundernswerter Präzision das „Pizzicato ostinato“ des dritten Satzes.

So endete der Jubel der 700 Zuhörer im nicht ganz voll besetzten Audimax erst, als Metzger die eingangs erwähnte Zugabe ankündigte.

  • Das SSO wiederholt sein Semesterabschlusskonzert am Sonntag, 30. Juni, ab 18 Uhr im Audimax.

von Michael Arndt

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