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Vier Russinnen heizen in Waggonhalle ein

„Iva Nova“ und „Turbo Sapienowa“ Vier Russinnen heizen in Waggonhalle ein

Bei dem Begriff russische Frauenband fällt einem hierzulande sofort „Pussy Riot“ ein. Nach dem ­Konzert ist den Marburgern auch „Iva Nova“ ein Begriff.

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Die temperamentvolle Sängerin Anastasia Postnikova präsentierte mit ihrer Band „Iva Nova“ sehr tanzbare Musik.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Russlands Metropole Sankt Petersburg ist eine Stadt voller Tradition. Sie ist bekannt für prunkvolle Paläste sowie für ihre historische Bedeutung als einstiger Sitz der Kaiserfamilie und Zentrum der Oktoberrevolution 1917.

Vier Töchter dieser Stadt vereinen Tradition und Moderne in ihrer Musik. Die Frauenband „Iva Nova“ spielt zwar gewöhnlich auf großen Festivals, allerdings stellte sie am Freitag in der Waggonhalle unter Beweis, dass sie auch vor kleinem Publikum überzeugt. Nach ihnen spielte noch die Gute-Laune-Polka-Combo „Turbo Sapienowa“ aus Gießen.

Die Besucher mussten sich jedoch gedulden – die Show begann wegen technischer Probleme rund 45 Minuten später als geplant. Anfangs war die Stimmung verhalten: Der Großteil der Anwesenden blieb im hinteren Teil der Waggonhalle sitzen. Doch sie hatten ihre Rechnung ohne die Frau mit dem klangvollen Namen Anastasia Postnikova, Sängerin der Band, gemacht. „Wir kommen zwar aus Russland, aber wir sind trotzdem nicht gefährlich. Traut Euch nur näher!“, rief sie strahlend.

Aufreizend, verschwörerisch und diabolisch

Es dauerte zehn Minuten, bis das russische Frauen-Quartett die 160 Besucher mit ihrer rasanten Musik in gefügige Tanzbären verwandelt hatte. Keiner saß mehr. Als Postnikova dann aus vollem Halse und fast schon im Befehlston „Polka, Polka, Polka“ schrie, brachen alle Dämme. Die Tanzbären brachten den Boden zum Beben, folgten dem Kommando der Dompteurin und versuchten, den Takt zu halten. Eine schwierige Aufgabe, da die Polka des Quartetts rasend schnell war.

Lead-Sängerin Postnikova spielte zugleich Synthesizer, dem sie eine breite Palette an futuristischen Elektrosounds entlockte, die hervorragend mit Bass, Schlagzeug und Akkordeon harmonierten. Letzteres sorgte für den Folk-Sound der Band. Noch mehr als das Akkordeon faszinierte allerdings diejenige, die es spielt – Natalia Potapenko. Sie wirkte wie in Trance, wenn sie Klaviatur und Balg ihres Instruments bediente. Dabei wechselte ihr Blick von aufreizend über verschwörerisch bis fast schon diabolisch.

Nach der rund einstündigen Show wurden die vier Russinnen zwei weitere Male stürmisch für Zugaben auf die Bühne gebeten. Als „Turbo Sapienowa“ die Bühne betrat, waren die 160 Besucher schon längst auf Betriebstemperatur. Für die achtköpfige Band aus Gießen war es ein Leichtes, mit ihren Balkan-Beats die Nasenringe in die Hand zu nehmen.

von Benjamin Kaiser

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