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Viele Meisterwerke und ein Poltergeist

Klavierkonzert im Hülsen-Haus Viele Meisterwerke und ein Poltergeist

Mit dem Programm hatten es sich Víktor und Alexander Urvalov sowie Joachim Wagenhäuser nicht leicht gemacht. Die Klavierwerke aus dem späten 19. Jahrhundert waren kein Zuckerschlecken für die Pianisten.

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Viktor Urvalov (von links), Joachim Wagenhäuser und Alexander Urvalov musizierten im Konzertsaal des Ernst-von-Hülsen-Hauses.Foto: Mareike Bader

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Trotzdem stiegen am Dienstagabend knapp 250 Zuhörer die Treppen zum schönen Konzertsaal des Ernst-von-Hülsen-Hauses hinauf. In den letzten zwei Jahren ist es fast zu einer Tradition geworden jedes Semester ein Klavierkonzert dort zu veranstalten. Mit dabei waren auch dieses Mal wie schon üblich das Vater-Sohn-Gespann Alexander und Viktor Urvalov, die an diesem Abend von Joachim Wagenhäuser unterstützt wurden.

Debussy und Ravel, dazu Skrjabin war auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Zusammenstellung. Auf diese Problematik ging der Geschäftsführende Direktor des musikwissenschaftlichen Instituts, Professor Dr. Lothar Schmidt, in seiner Eingangsrede ein und verwies auf mehrere französisch-russische Verbindungen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei bezog er sich auf den Klavierabend vor eineinhalb Jahren mit Werken des Petersburger „Mächtigen Häuflein“, der kurz darauf in der Alten Oper in Frankfurt wiederholt wurde.

Der 24-jährige Viktor Urvalov eröffnete den Klavierabend mit Debussy. Gekonnt verband beim „Prélude“ der Suite „Pour le piano“ die schnellen Tonläufe mit den akkordischen Klangrückungen. Bei diesem schnellen Spiel konnten sich seine Hände keine Sekunde wirklich ausruhen. Verspielt ist auch die Etüde „Pour les arpèges composés“, die Debussy 1915 geschrieben hatte. Wie Wellen in einem Planschbecken wechselten sich die Arpeggien in diesem hochkomplexen Stück ab.

Im zweiten Teil saßen Joachim Wagenhäuser und Alexander Urvalov zusammen am Flügel. Gemeinsam spielten sie „Ma mère l’oye“ von Ravel. Eigentlich ein Kinderstück, das 1910 von zwei mit Ravel befreundeten Kindern uraufgeführt wurde. Das Gespräch zwischen der Schönen und dem Tier „Des entretiens de la belle et de la bête“ wurde von beiden wunderschön herausgearbeitet. Der tänzerisch schöne Gesang gespielt von Wagenhäuser wurde von Alexander Urvalov mit der tiefen Stimme des Tieres mit schweren, dissonanten Klängen durchbrochen.

Ein wahres Highlight war Ravels „Gaspard de la nuit“, das als eines der schwersten Klavierwerke gilt. Wagenhäuser spielte das letzte der drei Stücke „Scarbo“ und es wurde sehr schnell klar, dass man dieses Stück nicht einfach mal so spielt.

Grandios erweckte er den Poltergeist „Scarbo“ zum Leben. Rasende Bewegungen folgten statische Klangflächen und beängstigende Ausbrüche. Das hochvirtuose Werk verlangt dem 51-Jährigen viel Können und alle Erfahrung ab.

Nach der Pause mutierte Alexander Urvalov zum Entertainer. Kurz und prägnant skizzierte er Skrjabins „Sonate Nr. 3 fis-moll op.23“. Zu jedem Satz gab er eine kleine Beschreibung und spielte dann eine kurze Stelle am Klavier an.

Als er dann verkündete: „Jetzt spiel ich die ganze Sonate“, lachte das Publikum. Nach seinem großen Programmteil, der viel Konzentration erforderte, erntete er kräftigen Applaus vom Publikum und bedankte sich mit Skrjabins „Nocturne für die linke Hand op. 3“.

Das Klavierkonzert des musikwissenschaftlichen Instituts war wieder einmal sehr gelungen und das auffallend junge Publikum darf sich schon auf das nächste Konzert im Sommersemester freuen.

von Mareike Bader

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