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Verwirrung einer traumhaften Nacht

Theater Verwirrung einer traumhaften Nacht

Die Irrungen und Wirrungen der Liebe stehen im Zentrum eines der meistgespielten Stücke von William Shakespeare - auch die Waggonhalle bringt „Ein Sommernachtstraum“ jetzt auf die Bühne.

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Philippa Chegwin träumt als Titania im Himmelbett – wenn sie erwacht, wird sie in Liebe zu einem Esel entbrennen.Foto: privat

Marburg. Ist die Liebe eine Himmelsmacht oder bloß eines Sinnesverwirrung, beliebig und jederzeit austauschbar? Im „Sommernachtstraum“ behandelt Shakespeare diese Frage mit großer Leichtigkeit, bissigem Witz und verspielter Ironie. Hermia liebt Lysander, Helena liebt Demetrius aber nur solange, bis der Waldgeist Puck auf Geheiß des Elfenkönigs Oberon sein Spiel mit ihnen treibt. Elfenkönigin Titania liebt unter dem Einfluss eines Zaubersafts sogar einen Esel. Am Anfang lieben alle den Falschen, am Ende den Richtigen - oder war alles nur der Traum einer lauen Sommernacht?

Regisseur Matze Schmidt inszeniert den Klassiker als Waggonhalle Produktion Nr. 20 - eine besonders aufwändige Produktion mit großer Besetzung zum Jubiläum. Seit 2006 produziert die Waggonhalle unter diesem Label Eigenproduktionen, und mit „Ein Sommernachtstraum“ will das Team das Sommerloch auf unterhaltsame Weise füllen.

Zur Grundlage hat Schmidt die Übersetzung von Frank Günther von 1995 genommen, die sich mehr an die Alltagssprache anlehnt als ältere Übersetzungen, aber der Versform treu bleibt. Dem entspricht die Herangehensweise des Regisseurs, der das Stück nicht dramatisch-klassisch aufführen möchte, sondern eine sehr lebendige, etwas schrille Form gewählt hat - schrill auch in der Ausstattung und in den Kostümen von Daniela Vogt, die schon Stücke wie „Wirtshaus an der Lahn“ mitgestaltet hat.

Besonderes Raumkonzept

„Ich wollte das Stück schon immer mal machen, weil es so spielerisch ist und man sich schauspielerisch sehr ausleben kann“, sagt der Regisseur. Ausleben werden sich 19 Darsteller, eine Mischung aus bekannten Gesichtern, Akteuren, die man aus anderen Theaterformationen kennt und gänzlichen Bühnenneulingen aus dem Umfeld der Waggonhalle.

Im Zentrum steht für Schmidt das räumliche Konzept: Während die Zuschauer fast die ganze Zeit im Theatersaal sitzen, agieren die Darsteller nicht nur drinnen, sondern spielen auch draußen vor den geöffneten großen Fenstern der Halle. „Der Fürstenhof zu Beginn hat seinen Platz ganz normal auf der Bühne, wenn die Handlung sich in den Wald verlagert, erweitert sich der Raum nach draußen. Schmidt nutzt alle Möglichkeiten zum Zu- und Abgang, die der Spielort bietet und will so das spielerisch Leichte, Überraschende des Stücks betonen. Weil auf diese Weise nicht immer alle Zuschauer alle Szenen direkt verfolgen können, wird das Spiel zum Teil auch auf Leinwände übertragen. Sollte das Wetter unsommerlich kühl werden, kann man das Stück auch problemlos komplett nach drinnen verlagern.

Auch wenn Matze Schmidt für die etwa zwei Stunden währende Inszenierung einiges gestrichen hat, so erzählt er doch die Original-Geschichte, aber auf moderne Weise. Seine Elfen sind nicht ätherisch, sondern eher eine Gang, erzählt er. Außerdem will er den Bereich außerhalb des Theatersaals, in dem gespielt wird, möglichst nicht absperren, so dass Passanten durch das Spiel laufen - ein weiteres Bild für die Vermischung der Welten und die Verwirrung der Protagonisten.

„Ein Sommernachtstraum“ feiert am Freitag, 2. August, ab 20 Uhr Premiere in der Waggonhalle, bis zum 17. August folgen zehn weitere Vorstellungen. Karten gibt es bei der Marburg Tourismus & Marketing GmbH, Pilgrimstein 26 oder online unter www.adticket.de.

Von Heike Döhn

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