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Verbrechen im Opern-Milieu

Donna Leon: „Endlich mein“ Verbrechen im Opern-Milieu

Brunetti ermittelt in seinem 24. Fall hinter den Kulissen des venezianischen Opernhauses La Fenice: Eine Sopranistin wird von einem Fan mit gelben Rosen überschüttet. Die Obsession wächst sich zur Bedrohung aus.

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Donna Leon liebt Opern. In ihrem neuen Roman lässt sie Brunetti im Opernmilieu ermitteln.

Quelle: Arno Burgi

Großes Werk, berühmte Musik, Ovationen für die Sängerin: Die Bühnenwelt der Sopranistin Flavia Petrelli ist Donna Leon etwa genauso vertraut wie ihr eigenes Metier – die Schriftstellerei.

Dass die amerikanische Autorin ihren Commissario Brunetti dieses Mal im Opernmilieu ermitteln lässt, hat unbedingt etwas mit Leons Liebe zu eben diesem zu tun. Es heißt, sie lasse kaum mal eine besondere Aufführung in ihrer Wahlheimat Venedig aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass Donna Leon einen Roman in der Oper ansiedelt. Ihr Debüt als Autorin 1993 begann mit dem „Venezianischen Finale“, bei dem ein Stardirigent dran glauben musste. Im neuen Buch „Endlich mein“ nun wird besagte Flavia Petrelli bedroht – sofern man die Verehrung eines besonders hartnäckigen Fans als Bedrohung ansieht. Und das tut Flavia, der die Unmengen gelber Rosen samt kostbaren Vasen unangenehm sind und die sie ängstigen.

Brunetti, der Flavia kennt, nimmt sich der Sache an – nicht wirklich überzeugt davon, dass mehr hinter der Fan-Obsession steckt. Doch als dann eine andere junge Sängerin eine Treppe hinuntergestoßen und dabei schwer verletzt wird, glaubt auch er an eine echte Bedrohung für die Diva – erst recht, als bei einem weiteren ernsten Zwischenfall ein gemeinsamer Freund angegriffen wird. Das Theater La Fenice, in dem Flavia als Tosca in der gleichnamigen Puccini-Oper auftritt, wird vorübergehend Brunettis Ermittlungshauptquartier.

Musikkennerin arbeitet sich durch Kultursegmente

Es ist der 24. Fall des venezianischen Polizisten und nach „Tod zwischen den Zeilen“ sein zweiter in diesem Jahr. Leon, die seit 1993 bislang jährlich einmal ihren beliebten Commissario ins Rennen schickte, gönnt ihm 2015 nur eine kurze halbjährige Verschnaufpause.

Mit Stalking greift die Autorin – wie sonst fast immer – kein aktuell-politisches, sondern ein gesellschaftliches Thema auf, was nicht minder spannend ist. Vor allem aber ist es ein Vergnügen, sich mit Musikkennerin Leon auf Spurensuche in dieses vielschichtige Kultursegment zu begeben. Die welterfahrene und -gewandte 74-Jährige belegt hier einmal mehr, dass der Weg durch einen Fall nicht mit Leichen gepflastert sein muss, um Spannung zu erzeugen.

„Endlich mein“ – im Original treffender mit „Falling in Love“ betitelt – ist demnach ein gut geschriebener fesselnder Brunetti-Roman, in dem auch wieder die bewährten Mitstreiter des Commissario zum Zuge kommen – ebenso wie die Familie des Ermittlers. Nicht zuletzt wandelt der Leser durch ein ihm längst vertrautes Venedig, das sich immer mehr dem Tourismus zum eigenen Schaden öffnet.

  • Donna Leon: „Endlich mein“, Diogenes Verlag, 320 Seiten, 24 Euro.

von Frauke Kaberka

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