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Verborgene Orte der Kunst aufgespürt

Kunst Verborgene Orte der Kunst aufgespürt

Wer kennt schon das Kunstwerk „Westwind“ in den Lahnauen? 23 Kunstfreunde nahmen am Mittwoch am ersten Marburger Kunstspaziergang teil, der abseits der touristischen Pfade verlief.

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Diese Skulptur von Georg Kolbe aus dem Jahr 1927 steht im Garten des Ernst-von-Hülsen-Hauses in der Biegenstraße. Foto: Bettina Preussner

Marburg. Veranstalter war die Marburger Sommerakademie. „Wir haben in Marburg so viele Kunstwerke“, erklärte Karin Stichnothe-Botschafter vom Fachdienst Kultur. Sie hat das Konzept für den Kunstspaziergang entwickelt und zeigte sich erfreut über den guten Zuspruch. „Dies ist ein Experiment für uns“, sagte sie. „Am 7. August wird ein zweiter Kunstspaziergang angeboten, vielleicht gibt es danach weitere.“

Der Spazierweg, bei dem sich die Mitglieder der Sommerakademie auch Anregungen für ihre eigene künstlerische Arbeit holen konnten, begann an der Elisabethkirche. Die Kunsthistorikerin und Gästeführerin Christiane Peters erklärte, dass die Elisabethkirche, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde, damals außerhalb der Stadtmauern stand.

Ein Garten mit einem Kreuzweg habe die Kirche umgeben, fuhr sie fort. Anstelle eines alten gotischen Kruzifixes, das verschollen ist, habe man an der Südseite der Kirche ein Barockkreuz aufgestellt.

Weiter ging es zu den Skulpturen, die zwischen Deutschhaus und Kornspeicher stehen. Christiane Peters erzählte aus der wechselvollen Geschichte der Barockfiguren, die von Damian-Hugo von Schönborn in Auftrag gegeben wurden. Die verspielten Skulpturen stellen fünf Tugenden dar: Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Mäßigkeit.

Mit der dritten Station des Kunstweges wagte Peters einen Sprung ins 20. Jahrhundert. An der Lahn hinter der Elisabethkirche kann man das Kunstwerk „Westwind“ von Katrin Magens bewundern. Es besteht aus sieben hohen Fahnen und einer „Flüstertüte“, die auf einer Wiese aufgebaut sind. Das Kunstwerk wird mit dem Spiel der atmosphärischen Kräfte in Zusammenhang gebracht, wie Peters erläuterte. Und die Künstlerin, die das Werk im Rahmen eines Kunstprojekts mit vielen Installationen in der Stadt aufgebaut hatte, zieht eine Verbindung zwischen dem Wehen der Fahnen im Wind und dem menschlichen „Sein-Fähnchen- in-den-Wind-Hängen“.

Weiter ging die Führung zum Ernst-von-Hülsen-Haus in der Biegenstraße, in dem unter anderem das Kunsthistorische Institut untergebracht ist. In seinem Garten steht eine große Skulptur von Georg Kolbe. Der weibliche Akt, der die antiken Darstellungen der Aphrodite zum Vorbild hat, ist 1927 entstanden.

In den 1950er Jahren ist die Kirche St. Peter und Paul erbaut worden, die nächste Station des Kunstweges. Der Betonbau, bei dem Turm und Kirchenraum getrennt sind, ist innen sehr einheitlich gestaltet.

Der Altar ist nicht nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet und nimmt Bezug auf die Elisabethkirche. Was sicherlich nur wenige wissen: In der Krypta sind auch Reliquien der heiligen Elisabeth aufbewahrt. Die Figur hinter dem Altar wiederum stellt den auferstehenden Christus dar, der gen Himmel fährt.

Weitere Stationen des Spaziergangs waren das Solarkunstwerk am Oberstadtaufzug und der Kilian, der Weg endete in der Altstadt.

Am 7. August um 16.30 Uhr wird ein weiterer Kunstspaziergang angeboten, Treffpunkt ist der Haupteingang der Elisabethkirche. Teilnehmen können Mitglieder der Sommerakademie, aber auch andere Kunstinteressierte.

Von Bettina Preussner

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