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Verbalartistik vom Allerfeinsten

Rick Kavanian im KFZ Verbalartistik vom Allerfeinsten

Ouzo-Schorle in der Pause, Kotz-Yoga beim Whale-Watching und der böse Blick seiner Tante, als er vier Jahre alt war: „Schizophrenie, jetzt oder nie“ war für den Comedy-Star Rick Kavanian quasi vorprogrammiert.

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„Der Schuh des Manitu“, die „Bully-Parade“ und „(T)Raumschiff Surprise“ machten Rick Kavanian zum Star. Mit seinem Programm „Offroad“ gastierte er im KFZ.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. „San Sie net der Grieche?“ Nicht nur die alte Dame in der Münchner U-Bahn verwechselt da was. Seinen Dimitri aus der „Bullyparade“ wird Rick Kavanian wohl nie wieder los. Dabei stammt seine Familie aus Armenien, die Eltern kamen aus Bukarest, leben seit 25 Jahren in New York und er selbst ist ein waschechtes „Münchner Kindl“. Ein Grieche? Nur gegen Bezahlung. Aber solche Missverständnisse gibt es viele. Und um die aufzuklären, geht Rick Kavanian auf Tour. Am Freitagabend war er im KFZ.

„One man, one microphone and absolutely no action“, kündigt die Stimme zu Beginn an. Ein Mann, ein Mikrofon und so gar keine „Action“ also. In der Tat passiert nicht viel auf der Bühne. Außer dass Rick Kavanian erzählt. Aber wie er das tut! Und offenbar kann man ihn nirgendwohin gehen lassen, ohne dass dort etwas passiert. Wovon er dann eben erzählen kann. Auf sächsisch, auf hessisch, auf armenisch und in unfassbar vielen anderen Dialekten, Sprachen und deren Mischungen.

Englisch wird beispielsweise in den Variationen „indisch-stämmiger Amerikaner bei der Passkontrolle“, „Ranger in Botswana, der Mister und Misses Kavanian im Honeymoon begrüßt“ und „bayrischer Flugkapitän“ serviert. Mal eben schier mühelos aus dem Kehlkopf geschüttelt. Und gern übergangslos von einer Figur in die nächste. Kaum hat Rick sein Programm begonnen, muss Dimitri „interruptieren“. Im normalen Leben nennt man so etwas multiple Persönlichkeit. Auf der Bühne genial.

Zurück zu Kavanians Herkunft. Armenier im Saal? Jawohl. „Es lebe die hessische Diaspora“, kommentiert Rick. Dass es ein interaktiver Abend wird, hat er zu diesem Zeitpunkt schon festgestellt. Natürlich kommt auf die Feststellung, die meisten Leute glaubten, er sei Grieche, ein vielstimmiges „Hellas“ aus dem Saal. Die Pointe vorweggenommen. Aber gut, dass eine Zuschauerin die Behauptung, er sei zum ersten Mal in Marburg, sofort mit „Nein?“ kontert. Er war doch schon mal da? „Ich bin außer mir, wie konnte das passieren, Majestät“, deklamiert Kavanian in der Rolle des Hofmarschall von Sissi und Franz.

Wenn in den hinteren Reihen geniest wird, wünscht der Mann auf der Bühne „Gesundheit“ und die Dame, die in der ersten Reihe offenbar nicht von ihrem Handy lassen konnte, wird freundlich gefragt, ob sie denn Notfallärztin sei. Mit einzelnen Zuschauern wird über ihre Sehschwäche gesprochen, über den „Ei-Spion“, der auf dem Smart­phone visualisiert, wie sich das ­Innere eines Eis während des Kochvorgangs verändert, oder über das Petermännchen - ein giftiges Tier, auch wenn es klingt, als sei es Christbaumschmuck aus dem Erzgebirge.

Warum die Türen zum Außenbereich des KFZ abgehängt sind, erfahren wir bei der Gelegenheit dann auch: Rick Kavanian hat Angst vor Fenstern, seit seine armenische Großmutter ihn immer warnte: „Geh nicht ans Fenster, sonst holt dich der Teufel.“ Von Erlebnissen des kleinen Rick in seiner Kindheit bis hin zum Abendessen mit Gerd und Henni von „Badesalz“ reicht der Reigen der Geschichten des Abends.

Apropos Essen. Natürlich muss er da auch von seinen türkischen Freunden erzählen, die - obwohl Moslems - totale Weihnachtsfans sind. Auf dem Blech: „Scheperützgebäck“ (gesprochen mit drei ä)! Der schwäbische Augenarzt, der Rick gelasert hat und ihm als Darth Vader im Traum erscheint, die thailändische Doktor „Ding-Dong“ und die Klitschkos kommen ebenfalls vor.

Und zum Schluss erfahren wir, wie Misses Kavanian an einem Hochzeitstag zu ihrem Rosenstrauß gekommen ist, den Rick eigentlich schon ein älterer Herr mit norddeutschem Akzent vor der Nase weggekauft hatte: Die holländische Blumenverkäuferin trägt ein „Madagascar“-T-Shirt und Rick greift in die Trickkiste und zu seiner Synchronstimme von Marty, dem Zebra.

Als Zugabe nach ordentlich Applaus erzählt Kavanian, der mit „Bully“-Herbig-Filmen wie „Der Schuh des Manitu“ oder „(T)Raumschiff Surprise“ berühmt wurde, diese Geschichte dann noch einmal in einer Variation. Man stelle sich vor, er habe Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ synchronisiert. Und natürlich ist die folgende Imitation dann ebenso beeindruckend wie alles, was der 46-Jährige zuvor schon an Verbalartistik geboten hat. Hellas!

von Nadja Schwarzwäller

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