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Urkomisches Musical-Spektakel

Premiere von "Spamalot" Urkomisches Musical-Spektakel

Immer wieder Szenenapplaus und Gelächter, am Ende Jubel und teilweise Standing Ovations: Das Hessische Landestheater trumpft im Erwin-Piscator-Haus groß auf mit dem ziemlich schrillen Musical „Spamalot“.

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In „Spamalot“ geht es hoch her: Tänzerinnen und die Fee vom See (Franziska Knetsch, Mitte) feiern mit König Artus (Karlheinz Schmitt, links) einen Part im Las-Vegas-Stil.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Nach den Erfolgsmusicals „Blues Brothers“ und „Cinderella“ hat Intendant Matthias Faltz in seiner Abschiedsspielzeit einen weiteren Publikumshit auf die Bühne gebracht: Mit viel Tempo und einem mitreißenden, spielfreudigen Ensemble hat er im Erwin-Piscator-Haus „Monty Python‘s Spamalot“ in Szene gesetzt. Viele Gags, wie etwa die Stimme des Marburger Ex-Oberbürgermeisters Egon Vaupel als Stimme Gottes, sorgen im ausverkauften Saal für Lacher.

„Spamalot“ lief vier Jahre lang ununterbrochen im Shubert-Theatre am New Yorker Broadway. Danach trat das Musical von Eric Idle (Text, Musik) und John Du Prez (Musik) seinen Siegeszug um die Welt an. Es hat alles, was ein klassisches Musical ausmacht: Große Tanzszenen, 24 tolle Songs und eine sehr anspruchsvolle Partitur, die die achtköpfige Band um den musikalischen Leiter Michael Lohmann großartig meistert. Darüber hinaus hat es oft skurrilen englischen Witz.

Kleines Team - großes Spektakel

Der Marburger Produktion sieht man an, wie viel Arbeit darin steckt: Rund 100 von Anni Lenk entwickelte Kostüme tragen die Darstellerinnen und Darsteller. Hinter den Kulissen muss ein unglaubliches Tohuwabohu herrschen, weil viele Darsteller in vielen Rollen zu sehen sind - Stefan Piskorz etwa hat gleich sechs Rollen. Und die müssen permanent in Windeseile neu eingekleidet werden.

Gleiches gilt für die Kulissen von Harm Naaijer: Burgen, breite Treppenaufgänge, ein „sehr, sehr, wirklich sehr teurer Wald“, wie König Artus im Stück feststellt, ein Boot, Bilder und bemalte Vorhänge werden auf die Bühne gerollt oder von der Decke herabgelassen,

Das alles hat Faltz gewusst, als er das Spektakel in den Spielplan übernommen hat. „Eigentlich“, hatte er bei der Vorstellung des Stückes betont, „müssten alle Abteilungen des Hauses für ,Spamalot‘ dreimal so groß sein.“ Umso bemerkenswerter ist, dass das kleine Team des Landestheaters dies grandios geschafft hat.

Am Samstagabend feierte das Broadway-Musical "Monty Python's Spamalot" in der Marburger Stadthalle Premiere. Mit über 100 Kostümen, beeindruckenden Kulissen und Livemusik ist Spamalot die bislang aufwändigste Produktion des Hessischen Landestheaters.

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Die Optik mit Kostümen, Kulissen, Licht, Theaterdonner und Bühnennebel ist das Eine, das Spiel auf der Bühne das Andere. Dieses irrwitzige und temporeiche Nonsens-Stück rund um König Artus (Karlheinz Schmitt) und seine Tafelrunde verlangt den Darstellern alles ab. Sie müssen tanzen, singen, spielen und vor allem bei jedem noch so albernen Blödsinn aus der Feder der legendären englischen Komikertruppe Monty Python ernst bleiben.

Das ist gar nicht so einfach angesichts von Killerkaninchen, pöbelnden Franzosen, die die englischen Ritter in den (Br)Exit schicken, einer grandios gescheiterten Geheimwaffe (dem hölzernen Hasen), der heiligen Handgranate von Antiochia und ähnlichem, blühenden Unsinn.

Running Gag sind die Ritter ohne Pferde um König Artus: Begleitet von Knappe Patsy (Thomas Huth), der mit seiner Kokosnuss für den Sound sorgt, galoppieren Sir Galahad (Artur Molin), Sir Robin (Julian Troisdorf), Sir Lancelot (Philip Lüttgenau) und Sir Bedevere (Camil Morariu) von einem schrulligen Abenteuer in den nächsten Fettnapf.

Unglaublich komisch

„Spamalot“, „entstanden durch liebevolles Fleddern des Films ,Die Ritter der Kokosnuss‘“, wie es im Programmheft heißt, besteht aus einer Aneinanderreihung von frechen und albernen Sketchen und albernen und gleichwohl tollen Songs: Wenn Patsy (Huth) den traurigen Artus mit dem Song „Always Look on the Bright Side of Life“ aufmuntert, sich die Fee aus dem See (Franziska Knetsch) das Lamento der Diva mit „Wann geht‘s hier wieder mal um mich?“ von der Seele singt oder Artus sein „Ich bin allein“ jammert, dann ist das nicht nur großartig gesungen, sondern auch unglaublich komisch.

Dies gilt auch für das großartige Duett von Artur Molin und Franziska Knetsch: „Das Lied, das jetzt erklingt“. Der Text ist wunderbarer Quatsch, die Melodie aber hat Hit-Potenzial.

Die Schauspieler singen durchweg gut, Molin und Knetsch herausragend. Mehr geht kaum, zumal Choreografin Ekaterina Khmara mit ihren sieben Tänzerinnen und Tänzern sowie den acht Darstellern ebenfalls phänomenale Arbeit geleistet hat.

Ein wenig Kritik muss dennoch sein: Die Textverständlichkeit leidet an manchen Stellen unter der etwas zu lauten Musik - aber das lässt sich am Mischpult vermutlich relativ leicht beheben.

factbox

„Spamalot“ ist am Donnerstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr wieder zu sehen.

Weitere Aufführungen sind am 14., 26. und 27. Oktober sowie am 17. November.

von Uwe Badouin

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