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„Unterschreibe auch auf Körperteilen“

Gießener Kultursommer: Christoph Maria Herbst „Unterschreibe auch auf Körperteilen“

Für eine Lesung war es ein sehr beeindruckender Zuspruch: Rund 950 Gäste hörten am Sonntag beim Gießener Kultursommer Christoph Maria Herbst.

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Auf Du und Du mit den Gästen: Christoph Maria Herbst erwies sich als glänzend aufgelegter 
Vorleser.

Quelle: Stephan Scholz

Gießen. Vor restlos ausverkauftem Haus las der Schauspieler, der vor allem als Stromberg bekannt wurde, im Zeltpalast auf dem Messegelände aus Timur Vermes Hitler-Satire „Er ist wieder da“. Von der ersten Minute an hatte Herbst, der sich als hervorragender Vorleser erwies, die Lacher des begeisterten Publikums voll auf seiner Seite.

Das war beachtlich, gerade 
angesichts der für ein solches Veranstaltungsformat außergewöhnlichen Größenordnung, die natürlich schon größere 
Distanzen zur Zuhörerschaft impliziert. Würde das die Intimität des Abends stören? Nicht die Spur.

Im Gegenteil. Es gelang dem Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler, der für seine scharfe Zunge bekannt ist, im Handumdrehen, auf Du und Du mit seinen Gästen zu kommen. Quasi zum Aufwärmen gab es einen kurzen Prolog, bei dem der Star mit seinen Besuchern, unter denen alle Altersgruppen vertreten waren, schäkerte. Nach der Lesung könne man sich noch für eine Autogrammstunde treffen: „Ich unterschreibe auch auf Körperteilen, auch auf solchen, die heute eigens mitgebracht wurden“, witzelte Herbst.

Der Roman „Er ist wieder da“ werde demnächst als Film veröffentlicht. Da man jedoch auf Internationalität setze, sei Denzel Washington für die Hauptrolle eingeplant, so Herbst augenzwinkernd zur Freude des Publikums. Tatsächlich wirkt er selbst mit bei dem Film, der am 8. Oktober in die Kinos kommt.

Schwarzer Humor macht Spaß

Und dann ging es richtig los: Der Schauspieler griff zum Roman um Adolf Hitler, der 2011 mitten in Berlin erwacht. „Ich erinnere mich, ich bin erwacht, es dürfte früher Nachmittag gewesen sein“, stieg er in die Hitlerparodie ein, um allerdings gleich wieder stoppen zu müssen.

Denn schon diese ersten Zeilen, die Herbst im schnarrend-bellenden Tonfall Adolf Hitlers las, sorgten schon für reichlich Heiterkeit im Zeltpalast. „Man hatte mich ja vorgewarnt: Der Gießener sei leicht zu unterhalten“, lächelte der gebürtige Wuppertaler, der auch als Hörbuch- und Synchronsprecher arbeitet.

Dann aber ging es richtig los mit dem Bestseller, in dem 
Vermes den wiedererweckten Hitler und das 21. Jahrhundert miteinander konfrontiert. Diese teils triefend schwarzhumorige Geschichte aus dem Mund von Christoph Maria Herbst zu hören, hat richtig Spaß gemacht.

Nicht nur wegen der gekonnten stimmlichen Parodie des Obernazis, den der Schauspieler mit schrillen Tönen glänzend karikierte. Besonders gelungen war das feine Betonen der Pointen, die sich bisweilen in tieferen Schichten von „Er ist wieder da“ verbergen. Mit hundertprozentiger Treffsicherheit arbeitete sie der Star heraus, was das Vergnügen an dem ohnehin schon aberwitzigen Text noch einmal steigerte.

Mehr kann man von einer 
Lesung nicht erwarten, kurzum: Mit Fug und Recht darf der Abend mit Christoph Maria Herbst als ganz besonderer Höhepunkt des Gießener Kultursommers bezeichnet werden, der bis zum 9. August noch zahlreiche weitere Stars in den Zeltpalast an der Messe bringt.

von Stephan Scholz

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