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Unterhaltungsmusik auf hohem Niveau

Marburger Konzertverein Unterhaltungsmusik auf hohem Niveau

Das Kurpfälzische Kammerorchester spielte am Sonntag zwei Werke, die beim Konzertverein noch nie erklungen waren. Auch die beiden Komponisten hatte man in seinem Aufführungskatalog bisher vergebens gesucht.

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Das Kurpfälzische Kammerorchester gastierte auf Einladung des Konzertvereins im Audimax.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Bei Nino Rota (1911 bis 1979) verwundert dies nicht, kennt man ihn doch vor allem als meisterhaften Komponisten von etwa 150 Filmmusiken unter anderem für Federico Fellini („La dolce vita“), Francis Ford Coppola („Der Pate“) und Luchino Visconti („Der Leopard“). Weniger bekannt aber ist: Rota nahm sich immer wieder eine Auszeit vom Kino und widmete sich neben der Oper dem Konzertsaal. Ein beeindruckendes Beispiel für seine neoklassische Kompositionskunst ist das 1964/1965 entstandene „Concerto per archi“ - ein Werk ganz im Stile des klassischen Orchesterkonzertes, inspiriert von Menuett, Walzer, festlicher Tafelmusik und zartem Belcantoschmelz, verbunden mit spätromantischem Streicherglanz. Den 14 handverlesenen Streichern des Kurpfälzischen Kammerorchesters war es ein hörbares Vergnügen, dies in all seinen Facetten auszuspielen: von lyrisch-zart bis leuchtend-opulent, von feinsinnig-filigran bis brillant-virtuos.

Weiter ging es mit einem Stück klassischer Unterhaltungsmusik. Denn nichts anderes bedeutet ja der Begriff „Divertimento“. Wolfgang Amadeus Mozart hat sein D-Dur-Divertimento KV 251 seiner Schwester Nannerl zum Namenstag komponiert und spart nicht mit französischen Stilelementen als Erinnerung an die gemeinsam in Paris verbrachten Tage. Französisch ist nicht nur die „Marcia alla francese“, die den Ein- und Ausmarsch der Musiker untermalt, auch das zweite der beiden Menuette, vor allem aber der solistische Einsatz der Oboe, eines von Haus aus französischen Instrumentes. Die Solistin des Kurpfälzischen Kammerorchesters blies es mit schlankem Ton und wurde dabei den hohen virtuosen Ansprüchen nahezu mühelos gerecht.

Unterhaltsam ging es auch nach der Pause weiter, kontrastiert mit heftigen dramatischen Akzenten. Das Kurpfälzische Kammerorchester wuchs dafür auf 19 Musiker an. Zur Oboe und den beiden samtweich intonierten Hörnern, die schon bei Mozart mit von der Partie waren, traten nun noch eine weitere Oboe und ein Fagott. Unter der inspirierenden Leitung von Stefan Fraas, der bis vor einem Jahr Chefdirigent des Ensembles war, widmeten sich die Musiker zunächst mit fulminantem Zugriff der zweiten Konzertverein-Erstaufführung, der opernhaften Sinfonie D-Dur „La Veneziana“ des Mozart-Rivalen Antonio Salieri, und kontrastierte diese mit Joseph Haydns „Abschiedssinfonie“ - Abschied deshalb, weil die Musiker im Finalsatz einer nach dem anderen die Bühne verlassen, bis nur noch zwei Soloviolinen die fis-Moll-Sinfonie Nr. 45 zu ihrem wehmütigen Ende bringen. Bei der Uraufführung sollen die Instrumentalisten damit gegen den mit Urlaub geizenden Fürsten Esterhazy demonstriert haben. Heute wird das immer noch gerne inszeniert - so auch im Audimax zum großen Vergnügen der 500 Zuhörer.

Es lenkt aber auch ein wenig ab von Haydns singulärer Kunst, das Verlöschen von Musik auszukomponieren - einer Musik, deren Schroffheit, aber auch unbeschreibliche Lieblichkeit das Kurpfälzische Kammerorchester mit spannungsvoller Intensität auslotete.

Am Ende kehrten die 19 Musiker und ihr Dirigent auf die Bühne zurück und bedankten sich für den langanhaltenden Applaus mit dem Presto-Finale aus Mozarts F-Dur-Divertimento KV 138.

Beethoven im Audimax

Zwei der beliebtesten Werke Ludwig van Beethovens stehen am Sonntag, 4. Mai, ab 20 Uhr im Audimax auf dem Programm: Sein einziges Violinkonzert und seine 5. Sinfonie, die sogenannte Schicksalssinfonie.

Die Vogtland Philharmonie gibt unter ihrem Chefdirigenten und Intendanten Stefan Fraas weltweit Konzerte. Für ihren Marburger Auftritt bringen sie die junge, international gefragte Geigerin Anna Sophie Dauenhauer mit, die das Marburger Publikum schon einmal 2008 begeisterte.

von Michael Arndt

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