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Ungewöhnliches Kontrastprogramm

Konzert: verfemt vergessen Ungewöhnliches Kontrastprogramm

Unter dem Titel „verfemt - vergessen“ stand ein Konzertabend im Ernst-von-Hülsen-Haus, der an jüdische Komponisten erinnerte, die von den Nazis verfolgt wurden.

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Der Pianist Thomas Hoppe und die Flötistin Anne-Cathérine Heinzmann spielten Werke verfemter und vergessener jüdischer Komponisten.Foto: Mareike Bader

Marburg. Flott schnellten die Töne beim Capriccio von Hans Gál aus der Flöte von Anne-Cathérine Heinzmann. Gemeinsam mit dem Pianisten Thomas Hoppe steigerte sie sich bis zu einem energischen hohen Ton, um im Rondo wieder wunderschöne Melodien erklingen zu lassen.

Für ihren Abend hatten Anne-Cathérine Heinzmann und Thomas Hoppe ein Programm mit unbekannten jüdischen Komponisten der Moderne zusammengestellt, das Niko Dörr in seiner Moderation dem Publikum näherbrachte. Nur knapp 50 Zuhörer waren am Donnerstagabend der Fußball-Weltmeisterschaft zum Trotz in den Konzertsaal des Ernst-von-Hülsen-Hauses gekommen.

Doch der Qualität des Abends tat dies keinen Abbruch. Die beiden Musiker beherrschten ihre Instrumente perfekt und begeisterten mit feinem Zusammenspiel. Ungewöhnlich klang dabei Anne-Cathérine Heinzmanns B-Flöte mit ihrem sehr weichen und tiefen Klang. Heinzmann gehört zu den renommiertesten deutschen Flötistinnen ihrer Generation. Auch Hoppe hat einen Ruf als hervorragender Pianist und hat bereits mit Ausnahme-Künstlern wie Ithak Perlman zusammengespielt.

Für einen Moment war die Fußballweltmeisterschaft und der Achtelfinal-Einzug der deutschen Nationalelf vergessen - bis bei einer ruhigen Passage des schönen Rondos doch wieder die hupenden Autos zu hören waren.

Das Kontrastprogramm des Kammermusikkonzertes des musikwissenschaftlichen Instituts war für die Ohren jedoch wesentlich angenehmer, wenn auch ungewöhnlich.

Scheinbar mühelos ergänzten sie sich, wenn Heinzmann an der Flöte zu flinken Höhenflügen aufbrach und Hoppe das Stück am Klavier mit ruhigen Tönen bändigte. Kräftig tanzten die beiden Instrumente beim Scherzo von Alexandre Tansman im forschen Foxtrott-Rhythmus. Trotz moderner Elemente wie Atonalität und dem Bruch der alten Traditionen faszinierten die Werke von Erwin Schulhoff, Günter Raphael oder Leo Smit mit interessanten Ideen und schönen lyrischen Bögen.

Nach dem Konzert kündigte der Musikwissenschafts-Professor Lothar Schmidt an, dass diese Reihe im Wintersemester fortgesetzt werden soll und dass die Barrelhouse Jazzband am 28. Oktober erneut zu Gast sein wird.

von Mareike Bader

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