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„Unfassliche Geschichte“ wird zum Romanstoff

Steffen Kopetzkys Roman „Risiko“ „Unfassliche Geschichte“ wird zum Romanstoff

Ein Roman, der sich um Afghanistan und einen Dschihad dreht? Könnte aktueller kaum sein, sollte man meinen. Steffen Kopetzky erzählt aber eine Geschichte aus der Wilhelminischen Zeit.

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Steffen Kopetzky las in der Unibibliothek aus seinem Roman „Risiko“.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Eine deutsche Expedition in den Orient. Mit dem Ziel, den Emir von Afghanistan und die Stämme der Paschtunen im Namen des Islam zu einem Angriff auf Britisch-Indien zu bewegen.

„Die Geschichte schien mir so unfasslich – ein absolut prädestinierter Romanstoff“, sagt Steffen Kopetzky über die Historie, die seinem Roman „Risiko“ zugrundeliegt. Am Montagabend war er zu Gast zu einer Lesung in der Marburger Universitätsbibliothek und erzählte von seiner Arbeit an dem Roman.

Den tatsächlichen Ereignissen rund um die Expedition, die vom Kölner Orientexperten Freiherr Max von Oppenheim geplant und von Oberleutnant Oskar von Niedermayer durchgeführt wurde, hat er eine fiktive Hauptfigur hinzugefügt:

Sebastian Stichnote, ein Funker, den es aus seiner bayrischen Heimat auf den Marinekreuzer Breslau verschlägt. Die SMS Breslau und die SMS Goeben waren bis 1914 Teil der Kaiserlichen Marine und wurden dann an die Türkei übergeben. Stichnote ist für Kopetzky die wichtigste Figur des Buches. Durch ihn habe er die drei großen Komplexe der Geschichte verbinden können, so der Autor.

Kopetzky: Mein Verständnis von Geschichte ist revolutioniert

Als fiktive Figur konnte er Stichnote als „Hilfsmittel“ einsetzen, wann immer es um Dinge geht, von denen man nicht genau wisse, wie sie gewesen seien. Er selbst sei als Autor eines Romans auch nicht an das „Joch der Fakten“ gebunden, wie Kopetzky im Gespräch mit Professor Dr. Otto Volk vom Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften der Philipps-Universität erklärte.

Dennoch lobt die Kritik die akribische Recherche des Schriftstellers, der aus dem Stoff einen mehr als 700 Seiten langen Abenteuerroman gemacht hat. Der enthält zum Beispiel auch wörtliche Zitate aus der Denkschrift von Oppenheim. Und auch die meisten anderen Charaktere sind historisch. Die Beschäftigung mit dem Stoff habe sein Verständnis von Geschichte revolutioniert, sagte Steffen Kopetzky.

Er sei überrascht gewesen, dass Afghanistan bereits damals eine politische Rolle gespielt habe. Der Titel „Risiko“ ist übrigens dem gleichnamigen Spiel geschuldet, das im Roman ein Element ist. Sieben Jahre hat es seit seinem letzten Buch „Der letzte Dieb“ gedauert, bis ein neuer Roman erschien.

„Nebenbei“ ist der 44-Jährige, der Philosophie und Romanistik studierte, in der Vergangenheit als Schlafwagenschaffner gearbeitet hat und künstlerischer Leiter der Biennale Bonn gewesen ist, aber auch in seiner oberbayrischen Heimat als ehrenamtlicher Kulturreferent aktiv.

von Nadja Schwarzwäller

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