Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Und wieder grüßt der Tinnitus

Hardcore-Bands im KFZ Und wieder grüßt der Tinnitus

Sonntagmorgen, Stille! Nein, ein leises Fiepen in den Gehörgängen stört die Ruhe. Verschuldet durch drei Bands, die im KFZ jenseits jeglicher Dezibel-Begrenzung auf der äußersten Überholspur dem Old School Hardcore alle Ehre machten.

Voriger Artikel
Kleine Meisterwerke aus dem hohen Norden
Nächster Artikel
Berührende Liebesgeschichte

Die Menge vor der Bühne jubelt „All for Nothing“-Sängerin Cindy (rechts) zu und wartet auf weitere Bühnentaucher, die sich von der Bühne in die Arme der Fans stürzen.Fotos: Jan Bosch

Marburg. Schon zum Warm-up flossen Bier und Schweiß in Strömen. Die Wetterauer Combo „Everyday Apocalypse“ gehen mit Melodic-Core an den Start.

Bereits innerhalb der ersten Stunde zeigen sich ernste Ausfallerscheinungen. „Hector Savage“ aus Köln bearbeiten mit wenig Feingefühl ihr Equipment. „Hat mal jemand ‚ne neue Snaer-Drum?“ fragt es nach wenigen Songs von der Bühne. Das Ohr freut sich über die erzwungene Entlastung und ein kurzer Gedanke der Erleichterung: ach, der Frontmann kann ja auch sprechen.

Pause vorbei, das Geschrei geht weiter. Es folgen noch gerissene Saiten und kaputte Mikros binnen Minuten. Naja, Tempo bringt eben Verschleiß mit sich, aber auch ein äußerst begeistertes Publikum.

Das begrüßt, nach kurzer Verschnaufpause und innerlich mit Gerstensaft gekühlt, die Headliner des Abends. Gemäß dem Titel ihrer aktuellen Scheibe to live and die for, folgen „All For Nothing“ aus Rotterdam ihrer Leidenschaft, die Fans mit fettestem Hardcore alter Schule zu beglücken. Riffgewitter und Doublebase erinnern an Legenden des New York Hardcore früherer Zeiten wie „Agnostic Front“ oder „Sick of it All“.

Zwei Gitarren auf Hochtouren bringen den Moshpit in Wallung. Immer wieder heizt Frontshouterin Cindy der Menge ein. „Ich will euch fliegen sehen“, schreit sie und reißt die tätowierten Arme in die Luft.

Die Band spielt nah am Publikum. Fans erklimmen die Bühne, springen mit Anlauf von den Bühnenboxen hinunter in die Menge. Auf vielen Händen der wogenden Menge getragen, surfen Menschen durch den Saal. Es wird gebangt und gemosht, was das Zeug hält.

Kaum ein Song überschreitet die Drei-Minuten-Marke, behandelt werden klassische Themen der Hardcore-Zunft. Ein steter Wechsel zwischen Vollgas-Riffs und kurzen Refrains zum mitsingen, eine energiegeladene Liveshow plus Gruppenbild mit der Band - was will man als Hardcore-Fan mehr am Samstagabend.

Nach einer knappen Stunde inklusive Zugabe ist der freudige Spuk vorbei. Gedämpfte Geräusche und ein paar Spritzer Bier auf der Kamera bleiben zurück.

Fazit: Still Screaming - nichts für zarte Gemüter und garantiert laut!

von Jan Bosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr