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Über innere und äußere Entfernung

Kunsttage Marburg-Biedenkopf Über innere und äußere Entfernung

Eine Frauen-Statue, über und über mit Mosaik­steinen besetzt, hält in der ausgestreckten Hand ein Smartphone. Auf dem Display steht „Ich“ geschrieben, immer wieder in unterschiedlichen Schriftgrößen.

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„Oven“/„Ofen“ von Adnan Abd Al-Rahman: Zum Thema Entfernung hat der Künstler eine Erinnerung an seine Kindheit in einem syrischen Dorf festgehalten.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. „Wir entfernen uns von dem, was uns als Mensch ausmacht“, erklärt die Schöpferin der Statue, Cornelia Altemüller. Die Marburger Künstlerin wollte in Anlehnung an die Geschichte der Stadt ein Märchen einbinden und fragte sich: Was würde Aschenputtel heute machen, wenn sie auf der Treppe ihren Schuh verliert? Die Antwort der Künstlerin: „Sie bleibt stehen, um ein Selfie aufzunehmen.“

Die Statue ist eine Interpretation zum Thema Entfernung, dem die Kunsttage des Landkreises Marburg-Biedenkopf in diesem Jahr gewidmet sind. Neben Skulpturen sind auch Installationen, Gemälde, Foto­grafien, Bildhandwerk und Video­art zu sehen. Vergangenen Samstag wurde die Ausstellung im Untergeschoss des Erlenringcenters durch Landrätin Kirsten Fründt eröffnet.

Altemüller ist eine von 95 Künstlerinnen und Künstlern, die auf 1400 Quadratmetern ihre Werke ausstellen. Nicht nur von alten Werten würden wir uns heute durch die neuen Medien entfernen, sondern auch voneinander. „Ich habe das Gefühl, wir vereinsamen immer mehr“, erklärt die Künstlerin.

Carla Fassbold-Luttropp hat einen anderen Zugang gefunden. Sie hat „entfernen“ im Sinne von „beseitigen“ verstanden. Die nebenberufliche Künstlerin legte Wachsschichten übereinander, nahm Teile wieder weg, arbeitete Papier und Sand ein. „Geschichtet, zugedeckt, herausgerissen“ heißen ihre Bilder.

Über 150 Teilnehmer hatten sich im Vorfeld beworben, eine Fachjury aus Künstlern und Mitarbeitern des Kulturamtes wählte die Werke aus. Nur wer seinen Wohnsitz oder sein Atelier im Landkreis hat, darf ausstellen.

Ausstellungsort macht "Reiz der Ausstellung aus"

„Nicht selten kommen auch Anfragen von Künstlern von außerhalb“, erklärt Dr. Markus Morr, Leiter des Kulturamtes vom Landkreis. „Wir haben nach unseren Recherchen in Marburg die größte Kunstausstellung eines Landkreises“, ergänzt Landrätin Fründt.

Adnan Abd Al-Rahman hat das Thema Entfernung an das syrische Dorf erinnert, in dem er aufgewachsen ist. Vor den Backhäusern standen die Frauen oft lange an, bis sie an die Reihe kamen, erzählt er. „In der Zeit haben sie diskutiert, über soziale oder sexuelle Themen geredet.“

Sein meterlanges Gemälde mit dem englischen Titel „Oven“, „Ofen“, zeigt eine Malerei in Erdtönen, die er dem abstrakten Expressionismus zuordnet. Seit zwei Jahren lebt der studierte Künstler in Biedenkopf.

2001 fanden die Kunsttage erstmals statt, mit nur rund zwanzig Teilnehmern. Als Ausstellungsort wählen die Veranstalter stets ungewöhnliche Räumlichkeiten wie Lagerhallen oder einen Güterbahnhof. „Das macht den Reiz der Veranstaltung aus“, erklärt Morr. Für den Landkreis sind die Kunsttage eine Möglichkeit, die regionalen Künstler zu unterstützen.

Manche von ihnen erinnerte das Thema an Sehnsuchtsorte wie das Meer oder die Weite von Landschaftseindrücken oder an das Reisen mit dem Zug. Andere fassten es beispielsweise sozial
auf. Die Videokunst „Verleugnung“ von Kristin Maria Bald zeigt eine Frau, die den Kopf schüttelt, in Erinnerung an die dreimalige Verleugnung von Jesus durch Petrus. Ingolf Anschütz interpretierte das Thema emotional. Er erstellte eine Collage mit dem Titel „Leb wohl“. Hinter einem Fenster hält eine Hand ein weißes Tuch, das im Wind weht.

Für den feierlichen Rahmen bei der Eröffnung sorgten Tänzer der ADTV Tanzschule Jörg Henseling. Sie zeigten in Formation Wiener Walzer und Boogie Woogie und im Paartanz Slowfox, Tango, Jive, Rumba und Samba.

  • Bis zum 10. September sind die Kunstwerke täglich von 12 bis 20 Uhr zu sehen. Am 11. September findet von 11 bis 13 Uhr die Finissage statt, auf der ein Jury- und ein Publikumspreis zu 1000 und 500 Euro vergeben wird.

von Freya Altmüller

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