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Über Kinderwunsch und Bio-Avocados

Lilli-Hannah Hoepner inszeniert „Atmen“ Über Kinderwunsch und Bio-Avocados

Zum zweiten Mal nach „Ereignisse“ führt Lilli-Hannah Hoepner in ­Marburg Regie. „Atmen“ ist der Titel des Zwei-­Personen-Stücks aus der ­Feder Duncan MacMillans.

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Lilli-Hannah Hoepner in der Kulisse der Probenbühne im Theater am Schwanhof.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Es geht um viele kleine Fragen. Und um die eine, um die große Frage, die sich viele Paare stellen: Ist es richtig, Kinder in diese Welt zu setzen? Dass MacMillans Stück an vielen deutschen Bühnen auf dem Spielplan stand und steht, ist kein Wunder: Die Themen, an denen sich Roman Pertl und Viktoria Schmidt in „Atmen“ abarbeiten, sind Alltagsthemen für Paare. „Unsere Gesellschaft kann sehr viel und sie weiß sehr viel“, sagt Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner: „Das überfordert uns.“

MacMillan erzählt die Geschichte seines Bühnenpaars vom ersten Ringen um den Kinderwunsch über die zwischenzeitliche Trennung und die Geburt des gemeinsamen Kindes bis hin zum Tod. Gibt es eine Erkenntnis, mit der der britische Dramatiker sein Publikum nach Hause schicken will? „Ich glaube nicht“, sagt die 36-jährige Regisseurin: „Man soll zwiegespalten aus dem Theater gehen und darüber sprechen.“ Männer und Frauen, glaubt Hoepner, haben eine unterschiedliche Wahrnehmung, wenn es darum geht, die beiden Figuren zu bewerten. Sie sei oft Zicke, er mehr der Phlegmatiker: „Trotzdem finden Männer die weibliche Bühnenfigur toll, Frauen mögen ihn – ein sehr ambivalentes Paar also, aber eben auch das tollste Paar der Welt.“

Das tollste Paar der Welt, wie MacMillan es zeichnet, ergeht sich in Diskussionen über Luxus- und Wohlstandsprobleme. Da wird die Frage, ob allein Avocados aus dem Biomarkt politisch korrekt sind zu einer ebenso großen Staatsaffäre wie die penible Berechnung des ökologischen Fußabdrucks eines zusätzlichen Erdenbürgers. Zynisch und überspitzt entwickelt der Autor in „Atmen“ eine Zweierbeziehung, in der nicht wenige Zuschauer ihre eigenen Konfliktlinien und ihre eigene Diskussionskultur erkennen dürften.

Von der Regieanweisung, auf einer komplett leeren Bühne zu spielen, hat sich Lilli-Hannah Hoepner ein Stück entfernt: Zwar wird man auch in der Marburger Inszenierung weder auf Requisiten noch auf aufwendige Kulissen treffen. Doch Susanne Hiller hat die Black Box mit mehreren Schichten transparenter Vorhänge ausgestattet, zwischen denen Schmidt und Pertl immer für das Publikum sichtbar, jedoch räumlich voneinander getrennt agieren können.

  • Die Premiere von „Atmen“ findet am Samstag, 5. November, ab 19.30 Uhr statt. Weitere ­Vorstellungen: Donnerstag, 24., sowie Sonntag, 27. November.

von Carsten Beckmann

Zur Person
Die 1980 geborene Lilli-Hannah Hoepner absolvierte von 2001 bis 2005 ihr Regiestudium an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach Regieassistenzen an den Münchner Kammerspielen und dem Schauspiel Frankfurt inszenierte sie unter anderem in Berlin, Bochum und Aachen. 2010 wurde ihre Uraufführungsinszenierung „Himmelangst“ von Daniela Dröscher zum Festival „Radikal Jung“ ans Münchner Volkstheater eingeladen. Regelmäßig führt Hoepner darüber hinaus Regie an Theatern in Brasilien.
 
 
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