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US-Soldat wird „Chronist der Jugend“

OP-Buchtipp: Will McBride: „Berlin im Aufbruch“ US-Soldat wird „Chronist der Jugend“

Vor Kurzem hat ihn eine Berliner Ausstellung noch gefeiert. Nun ist der amerikanische Fotograf Will McBride gestorben. Was hat sein Werk geprägt? Ein Bildband gibt Auskunft.

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Das Foto zeigt den Fotografen Will McBride am 29. Oktober 2014 in der Galerie C/O in der Ausstellung mit Bildern der Agentur Magnum , deren Mitglied er ist. Das große Schwarz-Weiß-Foto ist von ihm und ziert den Einband des Bildbandes „Berlin im Aufbruch“.

Quelle: Tim Brakemeier

Erst vor wenigen Wochen hat Will McBride die Besucher der Berliner C/O-Galerie verzaubert. Seine Bilder aus den Nachkriegsjahren, die auch in dem Bildband „Berlin im Aufbruch. Fotografien 1956 – 1963“ zu sehen sind, zeigten viel von der Aufbruchstimmung, die es damals in der Tristesse auch gegeben haben muss. McBride, der als amerikanischer Soldat nach Deutschland kam, hielt das Berliner Lebensgefühl fest – zwischen Schuttbergen, Milchbars und Strandbad Wannsee. Einen „Chronisten der Jugend“ nannte ihn die Ausstellung.

Die Galerie feierte mit den Schwarz-Weiß-Fotos ihren Neustart im Amerika-Haus. Und für den Künstler schloss sich ein Kreis: Er war 1957 der erste Fotograf, der dort seine Werke ausstellte. Am 29. Januar ist McBride nach Angaben seiner Familie im Alter von 84 Jahren gestorben, in seiner Wahlheimat Berlin. „Ich war verliebt in diese Stadt“, hieß die Ausstellung in der C/O-Galerie.

McBride stammte aus St. Louis im US-Staat Missouri. Er war Schüler des legendären US-Künstlers Norman Rockwell, studierte Malerei, Kunstgeschichte und Illustration in New York sowie Philologie in Berlin. Als junger Mann kam er zur Armee in Würzburg, wo seine Fotografie-Karriere begann. Diese hatte viele Stationen, darunter Arbeiten für „Life“, „Look“, „Paris Match“, „Quick“ und Bilder für „Twen“, die Zeitschrift der 68er-Generation.

Beruf Fotograf als Lebenseinstellung

McBride wurde ein Reportagefotograf von Weltruf und hatte zahlreiche Ausstellungen. Auch Momente fürs Geschichtsbuch hielt er fest – etwa John F. Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer vor dem Brandenburger Tor. Aufsehen erregte 1960 das heute völlig normal wirkende Foto seiner schwangeren Frau Barbara im Profil. „Die Hose war nicht ganz zu!“, erinnerte sich diese später im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. „Es war richtig obszön, damals zumindest. Die Aufregung war riesig.“

In seiner späteren Karriere arbeitete McBride überwiegend als Maler und Bildhauer. 2004 erhielt er den renommierten Dr.-Erich-Salomon-Preis für sein Schaffen. Sein Credo: „Ein Fotograf sollte in seinen Bildern nur eine Sache ausdrücken: sein ganzes Selbst.“Der Bildband „Berlin im Aufbruch“ fängt in bestechenden Schwarz-Weiß-Fotos die Atmosphäre der Jahre 1956 bis 1963 ein. Es ist ein spannendes Zeitdokument.

  • Will McBride: „Berlin im Aufbruch. Fotografien 1956 – 1963“, Lehmstedt-Verlag, 167 Seiten, 29,90 Euro

von Caroline Bock

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