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Trumpismus als bedrohlicher Schatten

Ausstellung Trumpismus als bedrohlicher Schatten

Eigentlich ist Gert Gekeler „kein politischer Mensch“, sagt er. Der Wahlerfolg Donald Trumps bei der US-Wahl hat den Marburger Künstler jedoch zu einem speziellen Schattenbild inspiriert.

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Künstler Gert Gekeler hat ein Schattenbild mit dem Namen „Trumpismus – out of the dark“ entworfen.Fotos: privat/Gassner

Quelle: Gert Gekeler

Marburg. Die 20 Bilder, die Professor Gert Gekeler für eine Bild-Ausstellung in Marburg ausgewählt hat, waren bereits für den Druck in Auftrag gegeben. Kurzfristig kommt nun aber noch ein weiteres Bild hinzu. Es trägt den Titel „Trumpismus - out of the dark“ und ist die Kombination aus zwei Bildern.

Ein langer und großer, blau-gefärbter Schatten zeigt mit ausgestrecktem Arm auf einen kleinen Schatten, als würde er diesen bedrohen. Die Formung der Hand lässt sich dabei auch so interpretieren, als halte der große Schatten darin eine Pistole (siehe Bild oben). Ein Bedrohungsszenario, dass Gekeler an die aktuelle politische Situation in den Vereinigten Staaten erinnert.

„Dieser Trump spukt mir einfach im Kopf herum“, erklärt der Künstler. Dabei gehe es nicht allein um die Person, sondern vor allem um die Bewegung, für die der neugewählte amerikanische Präsident stehe. „Wie kommt es massenpsychologisch dazu, dass ein solcher Mensch hochgespült wird?“, fragt der 76-Jährige. „Für mich ist das unfassbar und diese Welle macht mir Sorgen.“

Gekeler, der seit 2005 Fotografien per Bildbearbeitung am Computer künstlerisch in Szene setzt, stellt im Dezember im Pädagogischen Institut der Philipps-Universität „Bilder von Schatten“ aus, die er über das letzte Jahr entworfen hat. In alltäglichen Situationen war Gekeler mit der Kamera unterwegs und fotografierte Schatten von Gegenständen oder Personen. Am Computer veränderte der Wahl-Marburger Farben und Strukturen der Fotos, sodass diese - auch wörtlich genommen - in anderem Licht erscheinen.

Schatten, erklärt Gekeler, seien ein Thema in nahezu allen Religionen und Mythologien. Sie würden von uns häufig aber nur als Nebensächlichkeit wahrgenommen. Bei genauem Ansehen zeigten sie aber ein verzerrtes Abbild unserer Wirklichkeit. Dieses wolle er in den Fokus rücken.

Botschaft: Es gibt mehrere perfekte Varianten

Hinter den Bildern steckt allerdings noch mehr als ein rein ästhetischer Gedanke. Die Botschaft: Es gibt viele Wege zur Perfektion. „Für mich ist es eigentlich selbst nicht erklärbar, warum ich an einem bestimmten Punkt aufhöre, ein Bild weiter zu verändern. Manchmal denke ich, ein Bild ist perfekt - dann mache ich es anders und es ist auch perfekt“, so Gekeler. „Es gibt nicht so etwas wie die eine Lösung.“ Diesem Gedanken gehe er experimentell mit der Technik der „digitalen Multiplikation“ nach. In seiner Ausstellung werden daher mehrere „Endprodukte“ von derselben Aufnahme zu sehen sein.

Ginge man ähnlich auch in der Politik vor, so glaubt er, wäre dem Trumpismus eine der wesentlichen Grundlagen entzogen. Gewisse Dinge müssten einfach ausprobiert werden, um die beste Lösung zu finden. „Es ist eine Unverschämtheit, Leuten von vorneherein zu sagen, ihre Ansichten seien alle falsch.“ Diese vermeintliche Alternativlosigkeit sei es, die zu Wut und Aufsässigkeit führe und das Phänomen Trumpismus befördere.

Schon einmal, sagt Gekeler, habe er mit einem Bild eine dunkle Vorahnung ausgedrückt. Bei einem Urlaubsaufenthalt im ägyptischen Sharm-el-Sheikh vor mehr als zehn Jahren habe er die Idylle dort als trügerisch empfunden. Dies habe er in einem Schattenbild verarbeitet. Wenig später habe es dort Terroranschläge und den Arabischen Frühling gegeben.

„So ähnlich geht es mir auch mit diesem Trump-Bild“, sagt er nun. Er hofft aber, dass sich sein Gefühl diesmal nicht bewahrheitet.

Bilder von Gert Gekeler sind auch online unter www.multiplikationen.de zu sehen.

von Peter Gassner

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