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"Trugbilder treffen auf die Realität"

Gerti Brabetz stellt neuen Roman vor "Trugbilder treffen auf die Realität"

Passender hätte das Wetter am Sonntagmorgen nicht sein können. Die trübe, feuchte Luft passte perfekt zum vierten Roman „Es scheinen die alten Weiden so grau“ von Gerti Brabetz, den sie im Turmcafé vorstellte.

Marburg. Ihr neuer Roman spielt im Herbst in der Lüneburger Heide: Sigrid besucht ihren früheren Lebensgefährten Richard. Dessen junge Ehefrau Nele fühlt sich von mysteriösen Schatten bedroht, die Ärztin Sigrid soll ihr helfen.

Das erste Kapitel beschreibt sehr bildlich mit vielen Details die ersten Eindrücke der nebelverhangenen Heide. Wie „eine Patchworkdecke aus matschgrün bis sattbraun“ beschreibt die Autorin die Landschaft. Auf der Suche nach dem Bauernhof Richards kommt Sigrid zu einem Moor und findet den Grabstein einer Frau namens Frauke, die vor über 300 Jahren wegen Untreue hineingetrieben worden sein soll.

„Trugbilder treffen auf Realität“, beschreibt Gerti Brabetz ihren jüngsten Roman. Das sei ein bisschen wie beim Erlkönig von Goethe. Die Schubert-Vertonung des Gedichtes eröffnete die Lesung und versetzte die 60 Zuhörer gleich in die richtige Stimmung.

Von dem Ansturm war die Autorin selbst völlig überwältigt. Auch das Turmcafé-Team um Lutz Götzfried hatte damit nicht gerechnet.

Nach der Lesung erzählte Brabetz, dass ihre Oma und ihre Tante damals im böhmischen Krumau, wo sie geboren wurde, an Geister geglaubt hätten und auch oft Geistergeschichten erzählt hätten. In den 1960er Jahren habe sie ein Wochenende in der Lüneburger Heide verbracht. Dort gebe es viele „Leichengeschichten“, die Geschichten ihrer Verwandten seien mit ein Grund warum sie dafür so empfänglich gewesen sei.

Nach einer Pause stellte Gerti Brabetz ihre Geschichte und die Protagonisten genauer vor. Obwohl die Zuhörer dicht an dicht im Turmcafé saßen, war es mucksmäuschenstill. Gebannt folgten sie der Marburger Autorin in einer immer düster und mysteriöser werdende Geschichte: Sigrid hat ihren Verflossenen Richard scheinbar nicht ganz vergessen. Sie findet heraus, dass Nele sich mit dem Umzug auf den „Fraukenhof“ verändert hat. Nele selbst blockt im Gespräch ab. „Außerdem kann nur ich sie sehen. Ihr seid ja blind“, sagt sie über den Schatten, den sie so fürchtet.

Nach der fesselnden und düsteren Lesung war man dann ganz froh, als sich auf dem Weg nach Hause die Wolken lichteten und die Sonne den Tag erhellte.

Gerti Brabetz: „Es scheinen die alten Weiden so grau“, Verlag Monsenstein und Vannerdat, 230 Seiten, 12,90 Euro.

von Mareike Bader

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