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Trübes Weißbier, glasklare Analysen

Django Asül zu Gast im KFZ Trübes Weißbier, glasklare Analysen

Nur in ausgewählte Städte kommt Django Asül derzeit mit seinem „Boxenstopp“. Klar, dass auch Marburg dabei ist – ein Besuch hier ist für ihn schließlich ein Urlaubstag.

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Türkischer Bayer oder bayerischer Türke: Egal, bei Django Asül gehört ein Weißbier mit auf die Bühne.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Dieses Mondäne – das hat ihn schon immer an Marburg fasziniert. „Marburg ist für Gießen doch das, was Sylt für Hamburg ist“, stellt Django Asül fest. Seit neun Uhr am Morgen sei er schon hier: „Urlaub pur.“ Dieses tolle alte Fachwerk in Kombination mit offenen Straßen und Baustellen – da könne man mit Florenz in Konkurrenz treten.

So hört es sich an, wenn ein Kabarettist ins Schwärmen gerät. Und es erklärt, warum Marburg auf der Liste der Städte steht, in die er mit seinem Programm zum 20-jährigen Bühnenjubiläum kommt. Das intellektuelle Niveau muss natürlich hoch sein. So hoch, dass auch offene Straßen es nicht aufhalten können. Oder die Tatsache, dass es sich um eine Universitätsstadt handelt.

Dass der altbekannte Veranstaltungsort bald nicht mehr derselbe sein wird, ist für Django Asül natürlich ein Thema. Das KFZ werde in eine Seniorendisko umgewandelt, so seine Interpretation. Passend zum demografischen Wandel. Apropos Alter: Ja, 20-jähriges Bühnenjubiläum – wer da zurückrechnen möchte, mit 13 hat er damals angefangen.

Von der DFB-Affäre zur Flüchtlingskrise

Aber ein Schatten liegt auf seiner Jubliäumstournee. Eigentlich hatte er das Humorhighlight in Hessen sein wollen, beschwert sich Django Asül. Und dann stiehlt ihm Wolfgang Niersbach in Frankfurt einfach die Show.

Auch wenn der Großteil seines „Boxenstopp“-Programms ein Rückblick ist – natürlich lässt er aktuelle Ereignisse nicht unkommentiert. Sei es die DFB-Affäre um die WM-Vergabe, sei es die Flüchtlingskrise.
Immerhin – jetzt kennen alle das „BAMF“. Oder hatte vorher schon mal jemand vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gehört?

Und dort ist man wirklich optimal präpariert, beteuert Django Asül. Wenn pro Woche ein Flüchtling kommt. Der Deutsch kann. Und ein abgeschlossenes Jura-Studium hat, um den Beamten beim Ausfüllen der Papiere behilflich sein zu können. Als Asül auf das Schengen-Abkommen zu sprechen kommt, gibt es Zustimmung aus dem Publikum. „Ja, es stimmt alles, was ich heute sage“, legt er nach.

Treffsicher in die Rolle der Stammtischbrüder

Ansonsten erfährt man als Zuschauer, dass Django eine ungewollte Schwangerschaft war („Ich wollt net“), dass sein Vater es nie geschafft hat, ein normales Kind mit Migrationshintergrund aus ihm zu machen (er spielte Tennis statt in einer Gang zu sein und landete in der Sparkasse und nicht im Gefängnis) und dass er am Tag nach seiner eigenen Einbürgerung nicht aus dem Bett kam, so schwer lastete die historische Verantwortung, die jeder Deutsche zu tragen hat, auf seinen Schultern. Das Weißbier, mit dem er auf die Bühne kommt, mag trüb sein; die Analysen, die er liefert, sind glasklar.

Ebenso treff- wie stilsicher schlüpft er auch in die Rollen von Stammtischbrüdern oder Männern an der Außenlinie, die jeden, der nicht mehr als drei Halbe trinkt, für einen Antialkoholiker halten und von „Präventivität – und zwar vorher!“ schwadronieren.

Es geht bei Django Asül, privat ein sehr begeisterter Türke, wie er gesteht, um diffizile Fragen. Wie vermeidet man heikle Situationen? Woran erkennt man, dass eine Situation langsam heikel wird? Und wann ist eine Situation so heikel, dass man besser sagt: „Ich bin Österreicher.“

Pause mitten im Publikum

Merke: Wenn der Bayer Strom aus Norddeutschland wollte, würde er hinfahren und sein Handy dort aufladen. Als Niederbayer ist man in Deutschland Ausländer – fast überall. Und es gibt Proteinshakes, die enthalten den Tagesbedarf einer ganzen Woche.

Vergessen sollte man als Zuschauer übrigens die Erwartungshaltung, dass ein Kabarettist sich nur mit Politik beschäftigen würde. Da hätte er 98 Prozent seiner Zeit ja nur mit Schwachsinn zu tun, sagt Django Asül.
Aber in Marburg scheint es ihm wirklich gut zu gefallen. Seine Pause verbrachte er jedenfalls nicht in der Garderobe, sondern im Publikum. Ganz entspannt. Wie auf Urlaub.

von Nadja Schwarzwäller

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