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Trinker-Novelle trifft auf Tom Waits

Jürgen Flügge und Sachs-Band im Kratz Trinker-Novelle trifft auf Tom Waits

Was hält eine Novelle eines Österreichers aus dem Jahr 1939 und Lieder eines amerikanischen Sängers zusammen? Der Alkohol, sozusagen.

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Im kleinen, ehemaligen Ladenlokal Kratz wurde bei den „Wilden Schwänen“ ein Cocktail aus alkoholgeschwängerter Erzählung und Tom-Waits-Musik serviert.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Jürgen Flügge und die Sachs-Band mit Carolin Grein präsentierten eine Mischung aus Joseph Roths „Legende vom heiligen Trinker“ und Songs von Tom Waits. 40 Zuhörer kamen ins Theaterquartier auf Zeit zu den „Wilden Schwänen“ ins ehemalige Ladenlokal Kratz.

200 Francs von einem Herrn mit Kindergesicht. Stadtstreicher Andreas kann sein Glück kaum fassen. Und verspricht natürlich, das Geld der heiligen Thérèse von Lisieux zu spenden. Aber, ach: Wären da nicht die Bistros und die Hotels und die Begegnungen, wo Andreas sein Geld los wird – wie gewonnen, so zerronnen, egal wie oft er auf wundersame Weise immer wieder an Nachschub kommt. Wäre da nicht der Alkohol.

Joseph Roths „Legende vom heiligen Trinker“ hat inzwischen fast 75 Jahre auf dem Buckel. Rezitator Jürgen Flügge las die Geschichte und Carolin Grein sang begleitet von der Sachs-Band Lieder von Tom Waits dazu. „Broken bicycles“, „Please call me, baby“ oder „I hope that I don’t fall in love with you“ erzählen genau wie Roths Novelle von Sehnsucht, von Trauer und von der Straße. Besonders überzeugend gelingt die Melange, wenn Textvorlage und Liedzeilen inander gewoben werden.

„And the things you can’t remember tell the things you can’t forget“ (die Dinge, an die Du Dich nicht erinnern kannst, erzählen von den Dingen, die Du nicht vergessen kannst) heißt es in „Time“. Und am Ende der Geschichte trifft Trinker Andreas auf eine Thérèse aus Fleisch und Blut und ihn daraufhin der Schlag. Noch bevor er den nächsten Pernod bestellen kann. „Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!“, wünscht der Erzähler. Was für ein Cocktail.

von Nadja Schwarzwäller

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