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Traum und Unglück einer Magd

Theater Traum und Unglück einer Magd

Der Autor und Regisseur Willi Schmidt ist bekannt für seine Bücher und Theaterstücke, die sich kritisch mit regionaler Geschichte beschäftigen. Mit „Der Wechselbalg“ erzählt er nun vom Schicksal einer Magd aus dem Burgwald.

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Corinna Kilger schlüpft in die Haut der Magd Dotje, die in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem Hof im Marburger Land lebt-Privatfoto

Marburg. Die Magd Dotje kam schon im dritten Teil von Schmidts Trilogie „In die neue Welt“ vor, doch ihre Geschichte hat den Regisseur nicht losgelassen, so dass er die Figur nun ins Zentrum eines eigenen Stücks stellt, dessen Inszenierung er ebenfalls übernommen hat.

Die junge Frau stammt aus einer von dichtem Wald und großer Armut geprägten Region und lebt nun als Magd auf einem Hof im Marburger Land, wo in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Mischung aus christlichen Traditionen und der Glaube an Mythen und Bräuche herrschen.

Diese Mythen begegneten Schmidt beim Studium alter Chronikern, der im Ebsdorfergrund aufgewachsene Autor hat sie aber auch von der eigenen Mutter erzählt bekommen. „Viele dieser Traditionen haben die Rolle der Frau geprägt und wirken bis heute in den Köpfen fort“, sagt er, so auch die Geschichte vom Wechselbalg: So wurde behauptet, dass in der Zeit zwischen Geburt und Taufe böse Mächte das Kind gegen einen Wechselbalg vertauschen können, wenn die Mutter - die nach der Geburt als unrein galt - sich nicht an die von der Dorfgesellschaft vorgegebenen Vorschriften hält und das Haus vor der Taufe verlässt. Kinder, die behindert oder auch nur „anders“ waren, wurden schnell als Wechselbälger abgestempelt für deren Andersartigkeit dann natürlich die Muter die Schuld trägt.

Zwei Außenseiter treffen aufeinander

Dotje, gespielt von Corinna Kilger, befürchtet, selbst so ein Wechselbalg zu sein. Sie kann sich einfach nicht anpassen und leidet und dem unfreien Leben als Magd, an der Abhängigkeit vom Bauern, der sie quasi als sein Eigentum betrachtet. Ist sie deshalb so eigensinnig und verträumt, ist sie deshalb aufsässig und gibt ab und zu Widerworte? Als sie durch den Bauern brutale Gewalt erfährt, hält sie sich selbst für schuldig, so tief sind die Traditionen auch in ihr verwurzelt.

Verständnis findet sie nur beim Knecht Herrmann, gespielt von Willi Schmidt selbst. Der ist selbst ein Sonderling mit dem sie die Welt der Gedanken teilt und bei dem sie erstmals echte Zuneigung findet. Und in dieser Welt der Gedanken, da scheint den beiden alles möglich zu sein.

„Der Wechselbalg“ ist ein Kammerspiel, bei dem der Fokus auf der Hauptfigur liegt, die sich gewissermaßen aus dem Jenseits heraus an die Geschehnisse erinnert.

In anderen Szenen gibt es Rückblenden, die Dotje im Gespräch mit dem Knecht zeigen. Ein Happy End ist jedoch nicht zu erwarten, der Weg der beiden Außenseiter gibt es in einer Welt mit klaren sozialen Strukturen und festen Machtstrukturen wohl kein gutes Ende.

Die Premiere von „Der Wechselbalg“ beginnt am Mittwoch, 13. August, um 20 Uhr in der Waggonhalle.

Weitere Aufführungen gibt es am 14. und 15 August sowie am 30. und 31. August. Die Aufführung dauert etwa eine Stunde und 20 Minuten. Karten gibt es im Internet unter www.waggonhalle.de oder unter 06421/690626.

Von Heike Döhn

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