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Tragödie mit Happy End

Die diebische Elster an der Oper Frankfurt Tragödie mit Happy End

Die Elster hat einen schlechten Ruf. Diebisch sei sie, sagt man. Trotzdem hat Gioacchino Rossini ihr eine Oper gewidmet. Auftreten aber lässt er den Vogel nicht.

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Ninetta (Sophie Bevan) auf dem Weg zum Schafott.Foto: Runkel

Quelle: Copyright: Wolfgang Runkel

Frankfurt. In der Oper Frankfurt allerdings fliegt die Elster als Scherenschnitt über den Vorhang, vermehrt sich rasch, sodass Erinnerungen an Hitchcocks „Vögel“ geweckt werden. Die Elster hat ein Silberbesteck gestohlen. Der Tat verdächtigt wird jedoch das Dienstmädchen Ninetta. Ihr droht die Hinrichtung - Anfang des 19. Jahrhunderts bittere Realität. Doch Rossini gibt seiner Oper „Die diebische Elster“ ein Happy End, indem gerade noch rechtzeitig der schwarz-weiße Vogel als Übeltäter überführt wird.

„La gazza ladra“, 1817 an der Mailänder Scala uraufgeführt, ist ein Meisterwerk. Das gilt nicht nur für die Ouvertüre, die sogar Verwendung als Filmmusik fand - in Kubricks „Clockwork Orange“. Drei Stunden lang erweist sich Rossini als genialer Musikdramatiker, der überaus pointiert aufzeigt, wie nahe Tragik und Komik oft beieinander liegen. Henrik Nánási, Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, greift dies mit dem so brillant wie klangschön musizierenden Orchester genauso auf wie David Alden, der die Frankfurter Erstaufführung inszeniert hat. Seine Sympathie gilt Ninetta. Er verleiht dem nicht nur von ihrem Dienstherren bedrängten Dienstmädchen tragische Größe.

Soldaten tanzen Walzer

Er hat dafür in Sophie Bevan die ideale Darstellerin. Vor einem Jahr mit dem „International Opera Award“ als beste Nachwuchssängerin ausgezeichnet, überzeugt sie mit ihrem warm timbrierten Sopran, der auch die virtuosen Herausforderungen mühelos meistert.

Für die Gesellschaft, in der Ninetta leben muss, greift Alden zum Mittel der Karikatur. Zwar wirkt diese Gemeinschaft von religiösen Eiferern - der Zuschauer assoziiert die Amish, Quäker, aber auch orthodoxe Juden - auf den ersten Blick bedrohlich. Doch bald gibt Alden sie der Lächerlichkeit preis. Und Soldaten, die gleich in Kompaniestärke anrücken, um eine vermeintliche Diebin zu verhaften, kann man doch einfach nicht ernst nehmen. Folglich tanzen sie paarweise Walzer zur Musik eines jener himmlischen Rossini-Ensembles, in denen die Zeit still zu stehen scheint.

Nur angesichts des sadistischen Bürgermeisters, der Ninetta aufs Schafott schicken will, weil sie sich ihm verweigert, bleibt dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken. Was auch an Kihwan Sim liegt, der aus dem Frankfurter Opernstudio hervorgegangen ist. Er schafft es mit seiner Darstellungskunst und seinem mühelos durch Rossinis Koloraturen jagenden schwarzen Bass den stärksten Schlussapplaus zu erhalten - obwohl er einen Bösewicht gibt.

Alle zwölf Solisten gaben Rollendebüts und überzeugten in jeder Hinsicht.

Weitere Aufführungen am Sonntag, 6. April, sowie am 12., 17., 20., 26. April und 4. Mai, jeweils ab 19 Uhr. Karten, die zur Benutzung aller RMV-Verkehrsmittel berechtigen, im Internet unter www.oper-frankfurt.de

von Michael Arndt

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