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Tragisches Frauenleben der Romantik

Ausstellung Tragisches Frauenleben der Romantik

Vor 208 Jahren hat sich eine junge Adlige und bedeutende Dichterin der Romantik, Karoline von Günderrode, mit einem Dolch im Rhein getötet. Drei heimische Künstlerinnen haben sich auf ihre Spuren begeben.

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„Der Tanz mit dem Tod“ (links) und „Der Tanz mit der Liebe“ heißen diese Bilder von Carla Fassold-Luttropp.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Geboren ist sie am 11. Februar 1780 in Karlsruhe, ab 1786 aufgewachsen in Hanau. Am 26. Juli 1806 nahm sich Karoline von Günderrode im Rhein bei Oestrich-Winkel das Leben. Als eine intelligente, aufmüpfige und zugleich wohl hochgradig depressive junge Adlige, die als Dichterin in der deutschen Romantik eine nicht unerhebliche Rolle spielte, beschrieb sie Karin Stichnothe-Botschafter vom Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg.

Sie sprach im Marburger Haus der Romantik zur Eröffnung der Ausstellung „Karoline von Günderrode im Spiegel zeitgenössischer Künstlerinnen“.

Waltraud Mechsner-Spangenberg, Carla Fassold-Luttropp und Anita Badenhausen, die 2010 mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnete Künstlergemeinschaft „Atelier Cölber Mühle“, waren auf der Suche nach einem Thema für ein neues gemeinsames Kunstprojekt ins Haus der Romantik gekommen. Nach einem Gespräch mit der Vorsitzenden des Vereins Haus der Romantik, Marita Metz-Becker, hatten sie ihr Thema und auch den künftigen Ausstellungsort gefunden.

Savigny erwiderte die Liebe der Günderrode nicht

Karoline von Günderrode mit ihrem wechselvollen, gefühlsbetonten Leben habe jeder der drei genug Möglichkeiten zur Interpretation gegeben, schreiben die Künstlerinnen im Begleitkatalog, und berichten: „Zur Einstimmung unternahmen wir daraufhin eine Reise an den Rhein nach Oestrich-Winkel zu ihrem Grab und an den Ort, wo sie mit nur 26 Jahren ihr Leben beendete.“

Zum einen litt Karoline von Günderrode, wie sie in ihren Schriften zum Ausdruck brachte, unter den damaligen Konventionen, die es ihr als Frau nahezu unmöglich machten, frei und unabhängig zu sein und ihre eigenen Ideen zu verwirklichen. Zum anderen verwies Karin Stichnothe-Botschafter auf die unglücklichen Lieben der Günderrode.

Erst erwiderte der im Kreis der Marburger Romantiker sehr bekannte spätere Rechtshistoriker Friedrich Carl von Savigny ihre tiefe Zuneigung nicht, habe ihr im Gegenteil „die kalte Schulter gezeigt“ und sie etwas despektierlich „Günderrödchen“ genannt, worauf sie „Der Schatten eines Traumes“ verfasst habe.

Ein erfolgreicheres Verhältnis habe sie zu Georg Friedrich Creuzer, Professor für klassische Philologie und Geschichte an der Marburger Universität von 1800 bis 1804, gehabt, er traf sich heimlich mit ihr im Odenwald. Doch es gab ein Problem: Er war verheiratet. Als Creuzer zu seiner um 13 Jahre älteren Ehefrau zurückkehrte, nahm sich Karoline von Günderrode das Leben. „Doch die Günderrode hat überlebt! In der Erinnerung, in ihren Dichtungen, ihrer literarischen Aufnahme bei Bettina Brentano, Christa Wolf oder bei Dagmar von Gersdorff“, betonte Stichnothe-Botschafter. Doch eine „bildnerische Würdigung dieses Ausmaßes“ habe es vermutlich noch nicht gegeben, die Ausstellung müsse daher später unbedingt in Oestrich-Winkel gezeigt werden.

Zunächst kann man jedoch bis zum 9. November die Bilder im Haus der Romantik betrachten, in denen die drei Künstlerinnen jede auf ihre eigene Weise versucht haben, sich dem Thema zu nähern.

Waltraud Mechsner-Spangenberg beispielsweise versucht, die der jungen Frau auferlegten Zwänge, Muster und Strukturen darzustellen. Carla Fassold-Luttropp nähert sich ihrer Gefühlswelt aus Liebe, Leidenschaft, Schwermut und Todessehnsucht. Verschiedene Lebensphasen und Beziehungen Günderrodes hat Anita Badenhausen aufgegriffen.

Geöffnet ist die Ausstellung im Haus der Romantik, Markt 16, Dienstag bis Sonntag von 11 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr. Bei der Finissage am 9. November gibt es ab 11 Uhr eine Lesung mit der Schauspielerin Uta Eisold.

Von Manfred Schubert

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