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Träumereien mit bunten Seitenblicken

Gesang und Malerei Träumereien mit bunten Seitenblicken

300 Besucher erlebten ausgewählt schöne Chormusik in der Interpretation der Kurhessischen Kantorei, eines Baritons, Klavierduos, mit Pantomimen und sechs Malern bei der Arbeit.

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Die einen sangen, die anderen malten: Die Kurhessische Kantorei bot gemeinsam mit Malern und weiteren Künstlern ein Programm aus berauschenden Klängen, Farbe und Schatten in der Lutherischen Pfarrkirche.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Es war ein mächtiges Zwei-Stunden-Programm. Aber spannend - bis übers Ende hinaus. Das Themenspektrum war vielschichtig, aber geschickt strukturiert: Freude, Trauer, Freundschaft, Traum, Sinnbild, Sehnsucht, Seitenblicke, Ziel und innerer Friede in Korrespondenz miteinander, im Kontrast, als Kommentar und als Karikatur.

Um und zwischen die drei gesplitteten Hauptwerke, Brahms Liebeslieder-Walzer op. 52, Schumanns Dichterliebe op. 48 und Liszts „Seligpreisungen“ Searle 25, aus dessen Oratorium „Christus“, gruppierten sich die neun Werke unterschiedlicher Gattung und Epochen.

Konzert in der Luth. Pfarrkirche.

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Bei den 18 „Liebesliedern im Walzer-, bzw. Ländler-Takt“ von Brahms schöpfte die Kurhessische Kantorei Marburg unter Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum in der pointierten vierhändigen Klavierbegleitung von Andreas Hering und Helge Aurich aus dem Vollen.

Hohe Stimmen- und Klangkultur, verständliche Aussprache, zarte Pianos, bewundernswerte Innenspannung der Legatos, poetisch-seelenvolle bis heiter-ironische Momente mit Lautmalerei, temperamentvolle Passagen mit exakten Dynamikabstufungen machten jedes Lied zum Hörerlebnis. In Schumanns „Dichterliebe“ präsentierte sich Bariton Sebastian Kitzinger als feinsinniger Liedinterpret im kongenialen Verbund mit der Kurhessischen Kantorei und der Klavierbegleitung. Kitzinger sang mit Kraft in der Stimme und Weichheit im Ton, pflegte sinnvoll-melodisches Deklamieren, gestaltete feinnervig die wehmütig-heiteren bis tieftraurigen Stimmungen selbst in lichten Höhen, die der Chor empfindsam ausgestaltete.

Mit Liszts Motette „Die Seligpreisungen“ war die Kurhessische Kantorei in ihrer Kernkompetenz angekommen. Von Anfang an faszinierten die Soli des Baritons im Wechsel mit der Vokalgruppe: Schöne klare Stimme und dezenter Chorklang in gegenseitiger Steigerung zu hymnischem Gesang. Beim Chor nahmen gegen Ende Kondition und Konzentration ab: Die Präzision bei Einsätzen und die Transparenz des Klangs ließen nach. Beim Sopran verschwand allmählich der Glanz in den Höhen und die Tonsicherheit, der Tenor dünnte aus, der Alt verlor an Präsenz, der Bass an Kontur.

Maler  und Pantomime umrahmten das Programm

In weiteren geistlichen Werken von René Clausen, Felix Mendelssohn Bartholdy, Max Bruch, Carl Leonardi, Johannes Brahms demonstrierte die Kurhessische Kantorei ihr breites Spektrum an Werken der Romantik bis zur Gegenwart.

Josef Gabriel Rheinbergers „Abendlied“ in ergreifender Schönheit mit Gänsehaut-Effekt war ein traumhaft schöner Abschluss, der keiner Zugabe bedurft hätte.

Was für ein phantastisches Klavierduo: Andreas Hering und Helge Aurich brillierten in Werken von Brahms und Bizet mit Virtuosität und Akribie sowie fast traumhafter Sicherheit in flirrenden Klängen, abrupten Tönen und Akkorden, sich verschmelzende Klangkaskaden.

Der Pantomime Tim Schreiber agierte variantenreich und pointiert, mit Geist und Witz, mit Emphase und Zurückhaltung.

Die Zuhörer bedankten sich fünf Minuten lang mit herzlichem, immer wieder stürmisch aufbrausenden Applaus bis hin zu Ovationen. Fast sprichwörtlich umrahmten in den Seitenschiffen Bettina Hannsz, Harry Heckler, Katrin Luchs, Jan Luke, Jutta Reese und Sabine Schock das Konzert an den Staffeleien, ließen Raum und Klang beim Malen auf sich wirken.

von Helmut Rottmann

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