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Tote Kinder und zerstörte Familien

OP-Buchtipp: Kristina Ohlsson. „Papierjunge“ Tote Kinder und zerstörte Familien

Er kommt in der Nacht, schnappt sich ein Kind und verschwindet. So heißt es in der jüdischen Sage um den Papier‑
jungen. In Stockholm glaubt niemand daran, 
bis plötzlich zwei Jungen entführt werden.

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Die schwedische Autorin Kristina Ohlsson schickt den Leser in ihrem neuesten Thriller auch nach Israel.

Quelle: Fotos: Toni Albier, Limes Verlag

Es geht Schlag auf Schlag bei Kristina Ohlsson. Die schwedische Erfolgsautorin lässt dem Leser keine Verschnaufpause.

Bereits im ersten Kapitel gibt es Tote: und zwar drei an der Zahl. Danach geht es im Plot einige Tage zurück. Eine Erzieherin an einer jüdischen Schule in Stockholm wird erschossen. Am helllichten Tag und vor den Augen von Eltern und Kindern.

Nur wenige Stunden später verschwinden zwei Jungen, ebenfalls jüdischer Abstammung und Schüler an der gleichen Schule. Zufall oder Plan?, fragen sich die beiden Ermittler Alex Recht und Fredrika Bergman, die in Kristina Ohlssons „Papierjunge“ wieder ein Ermittlerteam bei der schwedischen Landeskriminalpolizei bilden.

Am Tag darauf werden die Leichen der beiden Kinder gefunden: im Wald, mit nackten Füßen und einer mit einem Gesicht bemalten Papiertüte über dem Kopf. Der Papierjunge hat zugeschlagen. Recht und Bergman, die Fans der schwedischen Autorin bereits aus den ersten vier Romanen bekannt sind, machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung, stoßen aber schnell an ihre Grenzen.

Alle Spuren führen nach Israel und in die Vergangenheit der beiden von den Mordfällen betroffenen Familien. Gleichzeitig sind sowohl der schwedische Geheimdienst als auch der israelische Mossad in den Fall involviert.

Komplexe Handlung gut verständlich beschrieben

Obwohl die verschiedenen Handlungsstränge komplex sind, versteht es Kristina Ohlsson, diese so zu beschreiben, dass sich der Leser nicht darin verliert. Der Leser ist auch der einzige, der den Überblick über alle Geschehnisse und Ermittlungsergebnisse behält – und am Ende die gesamte Auflösung des Falles kennt.

Das ist im Vergleich mit anderen Krimis und Thrillern eher selten der Fall, gibt dem Leser aber das Gefühl, allwissend und den Polizisten gegenüber im Vorteil zu sein. Wenngleich auch etwas Bedauern zurückbleibt, dass das Ermittler-Duo den Fall am Ende nicht komplett richtig deutet.

Die Protagonisten sind wie in den Vorgänger-Romanen gut gezeichnet, haben sich etwas weiterentwickelt, aber immer noch ihre ganz eigenen Macken und Interessen. Ohlsson kommt zwar an verschiedenen Stellen auf die Vorgängerromane zurück, aber auch ohne diese gelesen oder ihre handelnden Personen gekannt zu haben, ist der „Papierjunge“ zu verstehen.

Wieder einmal macht sich auch das Wissen der Autorin aus ihrem „ersten“ Berufsleben bezahlt. Vor ihrer schriftstellerischen Karriere arbeitete Ohlsson nämlich im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen, bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde in Stockholm und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien. So kann die 37-Jährige die Arbeits- und Vorgehensweisen der verschiedenen Ermittler und Behörden realitätsnah und authentisch beschreiben.

Am Ende gibt es weitere Tote und ein grausames Verbrechen, das sich aus der Vergangenheit seinen Weg in die Zukunft bahnt und drei Familien zerstört. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. „Papierjunge“ ist ein hervorragend recherchierter, spannend aufgebauter und überaus fesselnder 500-Seiten-Thriller.

  • Kristina Ohlsson: „Papierjunge“, Limes Verlag, 576 Seiten, 19,99 Euro.

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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