Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Toller Auftakt für das neue KFZ

Start im Erwin-Piscator-Haus Toller Auftakt für das neue KFZ

Strahlende Gesichter allenthalben - beim KFZ-Team, bei den vielen hundert Besuchern, bei den Künstlern und beim Ex-OB Egon Vaupel. Der gab am Samstag - vom Lampenfieber gepackt - sein Debüt als DJ.

Voriger Artikel
Mit Johann Strauß für guten Zweck
Nächster Artikel
Ganz entspannte Geburtstags-Party

Partystimmung im neuen KFZ im Erwin-Piscator-Haus.

Quelle: Georg Kronenberg

Marburg. Marburg hat - endlich - einen richtig tollen Saal für Rock- und Pop-Konzerte. Jahrzehntelang hat das KFZ gesucht, geplant, gehofft. Nun ist er da, der neue Saal. Schwarz getäfelte Wände, eine dunkle, hohe Decke, eine Empore, ein heller Parkettfußboden und eine großzügige Bühne mit großartigem Licht. Die Musikanlage wird in den kommenden Wochen noch etwas ergänzt.

Beim KFZ-Team fiel am Samstag der Stress der vergangenen Jahre mit Bau- und Programm-Planung spürbar ab. Überall sah man glückliche Gesichter. KFZ-Geschäftsführer Gero Braach strahlte über das ganze Gesicht: „So einen tollen Saal gibt es im Umkreis von 80 Kilometern nicht mehr.“

Mehrere tausend Besucher feierten am Samstag und Sonntag die Wiedereinweihung der neuen Stadthalle, des Erwin-Piscator-Hauses. Auch der Kulturladen KFZ hat in dem Gebäude ein neues Zuhause gefunden.

Zur Bildergalerie

Zum Auftakt wurden nicht teure Stars der Musikszene geholt. Die Bühne gehörte Lokalmatadoren, die dem KFZ seit Jahren verbunden sind: Beate Lambert und Spunk gaben am Nachmittag ein Kinderkonzert, die Marburger Band „Lechuga“, zu deutsch „Salat“, enterte die Bühne am Abend. Vor zehn Jahren hatten sie einen ihrer ersten Auftritte überhaupt im KFZ. „Super. Das ist großartig, dass wir als erste im KFZ spielen durften“, freute sich „Lechuga“-Sängerin Julia Munz, die mit ihren sechs „Jungs“ gut 500 Besuchern mit Mestizo-Sound einheizte. Auch auf der Bühne jubelte sie immer wieder, kündigte ein „nagelneues Lied im nagelneuen KFZ vor einem nagelneuen Publikum“ an.

Seit 1977 residiert das KFZ in der Schulstraße. Viele Besucher sind mit dem ersten soziokulturellen Zentrum Marburgs älter geworden, wollten sehen, wie die Zukunft in der Biegenstraße aussieht. KFZ-Mitgründer Gerd Wagner etwa schaute auf dem Weg zu seiner neuen Heimat, der Marksburg am Rhein, vorbei: „Sehr beeindruckend, es ist für das KFZ ein Quantensprung“, so sein Kommentar.

Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Die neuen Theken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, im großen Foyer und auf der bei angenehmem Sommerwetter ständig gut belegten Treppenanlage vor dem KFZ wurde entspannt geplaudert und gelacht. Genau so - mit vielen gut gelaunten Freunden und Neugierigen - hatten sich die KFZ-Macher den Start gewünscht.

Ausgerechnet Ex-Oberbürgermeister Egon Vaupel, einer der „Väter“ des neuen Erwin-Piscator-Hauses, wie die Stadthalle künftig heißen soll, war blass. Er hatte „weiche Knie“, wie er zugab. Das Lampenfieber hatte ihn gepackt, weil er sich auf ein ganz neues Parkett wagte: als Discjockey vor einer vollen Halle.

Als gegen 22.30 Uhr wegen eines Fehlalarms die Feuerwehr anrückte und die Party unterbrochen werden musste, witzelten nicht wenige, Egon Vaupel habe irgendeinen Knopf gedrückt, um nicht auftreten zu müssen. Doch er musste sich nicht sorgen. Das KFZ hatte ihm mit Andreas Erkel einen Profi zur Seite gestellt, als AdT ist er der Haus- und Hof-DJ des KFZ.

Vaupel betrat in einem T-Shirt mit den Aufdrucken „Kein Sex mit Nazis“ und „Kein Mensch ist illegal“ schließlich doch die Bühne. Bevor er seine Songliste mit Klassikern von Marius Müller-Westernhagen, den Rolling Stones, Queen, Jimi Hendrix, Joe Cocker oder Prince präsentierte, wurde er politisch: Die SPD solle wieder zu einer linken Volkspartei werden, mahnte er an. Er griff die „Petrys und Gauländer“ an, die in Marburg keinen Raum finden dürften und erinnerte daran, bei allem Spaß nicht die Menschen zu vergessen, „die im Mittelmeer ersaufen“.

Die Entscheidung, an dieser Stelle das KFZ für tausende Besucher einzurichten und nicht eine Tiefgarage für 40 bis 50 Parkplätze zu schaffen, sei richtig gewesen, sagte er der OP.

Das KFZ-Team wird sich in den kommenden Wochen mit dem neuen Zentrum vertraut machen und anfangs zweigleisig fahren - also das alte Zentrum weiternutzen, betonte Gero Braach. Geht alles glatt, gibt es ab Herbst nur noch das KFZ in der Biegenstraße.

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr