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Tiefpunkt der Gießener Spielzeit

„In der Republik des Glücks“ hatte Premiere Tiefpunkt der Gießener Spielzeit

Die Spielzeit am Stadttheater hat einen Tiefpunkt erlebt. Die Rede ist von Titus Georgis Inszenierung „In der Republik des Glücks“ in der deutschen Version von Ulrike Syha, die am Samstag Premiere hatte. Schon nach einer guten Viertelstunde ist die Luft raus aus dem Abend, der von einem Kammerspielformat in eine Art Revue übergeht. Das Sprechen der Schauspieler wird zu einer Art stakkatohaftem Gequassel, Langeweile pur.

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Auf der Bühne ist jede Menge Klamauk zu erleben. Doch selbst die respektablen Gesangsqualitäten vieler Darsteller können den Abend nicht retten.

Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Damit ist das Grundkonzept des Abends angesprochen, der immerhin rund zwei respektable Theaterstunden füllen soll. Schon nach 30 Minuten wäre es allerdings gut gewesen, denn das, was auf der Bühne zu erleben ist, ist inspirationslose Öde. Inhaltlich geht es in etwa um das Individuum als Lebensform mit allen Licht- und Schattenseiten. Allerdings werden diese Seiten nur die kürzeste Zeit in einer zusammenhängenden Handlung präsentiert.

Den überwiegenden Teil des Abends bestreiten die Akteure im ursprünglichsten Wortsinn mit Gequassel. Will heißen: In kurzen Szenchen hauen die Schauspieler wie die Presslufthämmer Allgemeinplätze des Individuellen raus, völlig zusammenhanglos, einfach als Phrasen. Und zwar ohne dabei Luft zu holen.

Der Sinn erschließt sich einfach nicht

Das sägt schon nach kurzer Zeit ganz erheblich an den Nerven, auch wenn das Ensemble ein ums andere Mal hervorragende Gesangsqualitäten beweist. Aber auch das kann den Abend nicht retten, ebenso wenig wie Bühne von Katja Wetzel und Kostüme von Anika Klippstein, die zugegebenermaßen ganz hübsch sind.

Der Sinn der großen Holzrahmen auf der Drehbühne erschließt sich jedoch nicht. Was die mit der Handlung zu tun haben? Keine Ahnung. Und auch die Idee, die Schauspieler in einer Passage in Superheldenkostüme zu stecken, ist eher klischeehaft. Ja gut, das Individuum pointiert sich als großer Held. Ist jetzt nicht so originell. Kurz, ein wenig gelungener Theaterabend, was mit den Schauspielern selbst nichts zu tun hat.

Auf der Bühne stehen die gestandenen Profis Harald Pfeiffer, Petra Soltau, Rainer Hustedt, Carolin Weber, Mirjam Sommer, Anne-Elise Minetti, Beatrice Boca und Milan Pešl, die ihr persönliches Format allesamt längst unter Beweis gestellt haben.

Doch auch diese gestandenen Mimen können den Abend nicht retten, denn das bald einsetzende Gebrabbel lässt kaum Möglichkeiten, so etwas wie Schauspielerei zu entfalten. Damit zum Gesamtfazit des Abends, das mit den drei Wertungen langweilig, inspirationsfrei und nervtötend diesmal kurz ausfällt.

  • Wer das Stück trotzdem sehen will: Weitere Aufführungen sind am 9. und 29. Mai, 5. und 27. Juni sowie am 9. Juli jeweils um 19.30 Uhr im Großen Haus. Weitere Informationen im Internet unter www.stadttheater-giessen.de

von Stephan Scholz

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