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Tief eintauchen in die russische Seele

Liederabend im Fürstensaal Tief eintauchen in die russische Seele

Die Sängerin Anna Shiryaeva hat keine Angst vor den ganz großen Gefühlen. Zusammen mit der Pianistin Elena Kalistratova gestaltete sie am Samstagabend einen Liederabend im Fürstensaal des Schlosses.

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Anna Shiryaeva sang Romanzen aus verschiedenen Epochen der russischen Musikgeschichte und wurde dabei begleitet von Elena Kalistratova.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. „Russische Seele“ lautete der Titel des zweistündigen Abends. Alle Stühle im Fürstensaal waren besetzt, rund 200 Musikfreunde waren gekommen, um den Liedern aus verschiedenen Epochen zu lauschen. „Heute Abend dreht sich alles um die Romanze“, erklärte Anna Shiryaeva bei der Begrüßung.

„Es geht um die Kraft des Irrationalen und um die Welt der Gefühle.“ In Russland werde immer gesungen, erzählte die Sängerin, die in Russland geboren wurde und jetzt in Deutschland lebt. Immer gebe es eine Gelegenheit zum Singen, sei es bei einer Hochzeit, bei der Ernte oder bei einer Beerdigung.

Ein ordentlicher Schuss Pathos

Die ersten Lieder, die Anna Shiryaeva vortrug, waren Stadtromanzen. „In geselliger Runde, an jeder Tafel erklingen diese Lieder“, sagte sie. „Jeder Russe kennt die Texte und die Melodien.“ Mit viel Gefühl trug die Sängerin das erste melancholische Lied vor, das von verblühten Chrysanthemen und einer verlorenen Liebe handelte. Ihr Mezzosopran hat eine relativ dunkle Färbung und klang rund, warm, weich und sehr angenehm. Am Klavier wurde sie verlässlich und präzise von Elena Kalistratova begleitet, den beiden Künstlerinnen gelang ein nahezu ideales Zusammenspiel.

Mit einem ordentlichen Schuss Pathos wurde auch das folgende Lied vorgetragen, das von der Einzigartigkeit einer Liebe erzählte. Mit sprechender Mimik und ausladenden Gesten unterstrich die Sängerin die Dramatik des Geschehens. Auch die bekannte Zigeunerromanze „Auf dem langen Weg“ wurde mit Temperament und viel Gefühl dargeboten, das Publikum klatschte bald kräftig mit.

Ein zweiter Themenblock befasste sich mit den Romanzen russischer Komponisten. „Das 19. Jahrhundert war die Blütezeit der Romanze“, erläuterte Shiryaeva. „Die Werke aus dieser Zeit zählen zu den Juwelen der Vokalmusik.“

Den Text zu dem Lied „Ich erinnere mich an einen wunderbaren Augenblick“ von Michail Glinka (1804-1857) hat Alexander Puschkin geschrieben. Er erzählt darin von der Begegnung mit einer jungen Frau, deren Schönheit ihn zutiefst berührt hat.

Konzertabend klingt mit Opernarien und Filmmusik aus

Wesentlich schlichter und zugleich eindrucksvoller kam das Lied „Ich segne euch, Wälder“ von Pjotr Tschaikowski (1840-1893) daher. Es behandelt die Schönheit der Natur und die Verschmelzung des Menschen mit dem Universum in Dankbarkeit zu Gott.

Die Sängerin und die Pianistin beschlossen den Konzertabend mit zwei weiteren Themenblöcken. Russische Opernarien von Nicolaj Rimski-Korsakow (1844-1908) und Pjotr Tschaikowski erklangen ebenso wie Filmmusik von Komponisten aus der Sowjetzeit.

Die Zuhörer im Fürstensaal waren restlos begeistert und bedankten sich bei den beiden Künstlerinnen mit stürmischem Applaus.

von Bettina Preussner

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