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Von der Neugier auf die Welt

Waggonhalle: Theatergruppe „Nacht Sicht“ Von der Neugier auf die Welt

20 Jahre Theater an der Blista und Fragen zum Erwachsenwerden kommen bei „Punkt Um“ zusammen. Die Theatergruppe „Nacht Sicht“ lädt ein, Antworten zu suchen.

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Mit großer Lust am Spiel agieren die jungen Darsteller von der Blindenstudienanstalt in ihrem spannenen Stück „Punkt Um“.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Wann bin ich ich selbst? Was macht mich einzigartig? Ist die Wahrheit wirklich oder die Wirklichkeit wahr? Und: Gibt es hier einen Notausgang? Jede Menge Fragen und jede Menge Existenzphilosophie, mit der sich die Theatergruppe „Nacht Sicht“ in „Punkt Um“ beschäftigt. Ihr Stück feiert 20 Jahre Theater an der Blindenstudienanstalt (Blista) und bringt Wendepunkte eines „jungen Lebens“ auf die Bühne.

Grobe Pappkartons dienen in der Waggonhalle nicht nur als mobile Wände für Worte, die im Lauf des Stücks immer wieder umarrangiert werden und sowohl die Frage „Was ist Sinn?“ wie auch die Erklärung „Ich bin wer!“ in den Raum stellen, sondern auch als symbolhafte Requisiten. Zu Beginn des Stücks sind die Kartons geschlossen, die jungen Schauspieler inszenieren ihre Geburt. Und wenn das ungezogene Kind gemaßregelt wird, dient die Pappe als Zimmer, in das es geschickt wird. Sehr schöne Pointe: „Ist jetzt mal Ruhe im Karton?“

„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Und lass Dir jeden Tag geschehen, so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken lässt.“ Mit dieser Strophe von Rainer Maria Rilke beginnt „Punkt Um“. Von der Neugier und dem Siegeswillen eines Kindes, das sich seine Welt erobert über den Moment, wenn die Angst vor dem Versagen ins Spiel kommt, bis hin zu Entscheidungen, mit denen Weichen für die Zukunft gestellt werden, spannt sich der Bogen.

Engelchen und Teufelchen

Natürlich gibt es auch Musik, Cello und Gitarre werden live gespielt und „Menschenkind“ von Friedrich Holländer intoniert. Adrian Ide, Alex Schreiner, Anna Fischer, Benny Rosemeier, Cel Schönhaber, Florian Tober, Jim Kleuser, Lilly Hartmann, Marcel Frank, Marcel Bittner, Margo Rieger, Mel Oturgan, Miri Riedl und Tristan Reusswig agieren mit großer Lust am Spiel und überzeugen vor allem dort, wo ihnen die Inszenierung von Karin Winkelsträter sprachlichen Raum lässt.

Bei der Premiere gab es Szenenapplaus nach einem wunderbaren Dialog zwischen dem inneren Engelchen und Teufelchen eines Jugendlichen.

Antworten will das Stück keine geben. Auch wenn es das manchmal doch tut. Zum Beispiel auf die Frage, was man am Morgen nach dem ersten Mal sagen könnte. „Machst Du Frühstück?“, lautet der Vorschlag. So wird klar, dass Ernsthaftigkeit nicht nur ernst daherkommen muss, sondern auch witzige Momente haben kann. Und immer ist da der eine, der einfach beschließt, glücklich zu sein. Wer mag, kann mitmachen.

  • Eine weitere Vorstellung ist am Samstag, 10. Juni, um 20 Uhr in der Waggonhalle zu sehen. Karten kann man reservieren über die E-Mail-Adresse nachtsicht@email.de und per Telefon unter 0177/6785103 oder 06421/83902.

von Nadja Schwarzwäller

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