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Theater will Utopien ausloten

Hessisches Landestheater Theater will Utopien ausloten

Mit neuem Personal startet das Hessische Landestheater in die Spielzeit 2015/16. 17 Premieren, darunter 3 Uraufführungen, sind geplant. Eröffnet wird die Spielzeit am 5. September mit Lessings „Nathan der Weise“.

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Das Team des Landestheaters um Intendant Matthias Faltz (zweite Reihe, Zweiter von rechts) stellte am Donnerstag die Spielzeit 2015/16 vor.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Denkanstöße will das Hessische Landestheater Marburg, das kleinste der sechs hessischen Subventionstheater, auch in der kommenden Spielzeit geben. Sie steht unter dem Motto „Neues aus Nirgendwo“ und will Utopien ausloten, „Zukunftsmodelle in einer Post-Wachstumsgesellschaft“ erkunden, wie Intendant Matthias Faltz am Donnerstag bei der Vorstellung des Spielzeit-Programms 2015/16 betonte.

Es wird seine sechste Spielzeit in Marburg sein, allerdings ohne alte Weggefährten: Viele Mitarbeiter aus der Leitungsebene des Theaters und vier Darsteller gehen – aus unterschiedlichsten Gründen, wie Faltz betonte. Die stellvertretende Intendantin Dr. Christine Tretow geht als Geschäftsführerin an das Apollo-Theater nach Siegen, Chefdramaturg Alexander Leiffheidt wechselt an das renommierte Schauspielhaus Bochum.

Sarah Holtkamp hört nach einem Jahr als persönliche Referentin des Intendanten und Pressesprecherin auf. Gehen werden auch die Dramaturgen Eva Bormann und Christopher Hanf. Aus dem Ensemble kehren Ayana Goldstein, Leonie Reiner und – ebenfalls nach fünf Jahren – Tobias M. Walter dem Theater den Rücken.

Die Stadthalle fehlt dem Theater

Die Stellen sind natürlich längst besetzt, der Markt an Theaterleuten ist in Deutschland riesig: Sina Schönfeld wird Referentin des Intendanten. Frank Burkhard wird Chefdramaturg, er ist zurzeit am Theater Vorpommern beschäftigt. Dr. Diana König wechselt aus Tübingen nach Marburg, sie wird die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit übernehmen, Janosch Pomerenke wird Leiter des Marketings.

Auch in der kommenden Spielzeit muss das Landestheater auf die Stadthalle verzichten, die größte und wichtigste Spielstätte. Der Verlust wirkt sich deutlich auf die Besucherzahlen aus. 2013/14 sahen 42.500 Besucher die 294 Vorstellungen. Große Produktionen wie die „Blues Brothers“ oder „Die Dreigroschenoper“ sind im Theater am Schwanhof oder in der Galeria Classica nicht oder nur eingeschränkt möglich. Und mit dem Weihnachtsstück erreicht man deutlich weniger Besucher.

Ein Ende der Durststrecke ist aber abzusehen. Vermutlich im März 2016 soll die Stadthalle nach Auskunft von Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach eröffnet werden. Das Theater plant in der kommenden Spielzeit jedoch noch nicht mit der Stadthalle.

Zusammenarbeit mit dem Bachchor: „König David“

Der Abendspielplan sieht 13 Premieren vor, hinzu kommen vier Premieren im Jungen Theater. Darunter sind drei Uraufführungen. Eröffnet wird die Spielzeit am 5. September mit Gotthold Ephraim Lessings Klassiker „Nathan der Weise“ (die Daten entnehmen Sie bitte dem Spielzeit-Kasten). Weitere Klassiker sind William Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ und Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“, der als Open-Air-Spektakel im Theatersommer 2016 auf dem Marktplatz gespielt wird.

Zudem holt das Theater Romanklassiker wie Émile Zolas „Das Geld“ und John Steinbecks „Früchte des Zorns“ auf die Bühne. Für die Bühnenadaption von Fatih Akins Kinoerfolg „Soul Kitchen“ wird die Galeria Classica in eine Restaurant-Kneipe verwandelt.

Im kommenden Jahr feiert der Marburger Bachchor sein 50-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums führt der Chor gemeinsam mit dem Landestheater in der Pfarrkirche Arthur Honeggers „König David“ auf.

Junges Theater zeigt Jim Knopf

Neue Stücke bekommen breiten Raum: David Greigs „Die Ereignisse“ beschäftigt sich mit dem Massaker des Norwegers Anders Breivik. „demut vor deinen taten baby“ stammt von der jungen Autorin Laura Naumann, „Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino“ von Martin Crimp wird als zweite deutsche Inszenierung zu sehen sein und „paradies hungern“ ist der erste Stückauftrag des Landestheaters.

Verfasst wird es von dem jungen Dramatiker Thomas Köck. Auf großes Interesse dürfte in Marburg „Made in Germania“ stoßen, ein Projekt über Studentenverbindungen, das als Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt und dem Theaterhaus Jena geplant ist.

Im Jungen Theater dürfen sich Kinder auf „Die Schöne und das Biest“ sowie Michael Endes Kultfiguren „Jim Kopf und Lukas der Lokomotivführer“ freuen. Das Klassenzimmerstück „Zuhause ist Krieg“ soll Empathie für die Probleme von Flüchtlingskindern wecken, betonten Annette Müller und Oda Zuschneid, Leiterinnen des Jungen Theaters.

Noch eine gute Nachricht: Die Abo-Preise wurden nicht angehoben.

von Uwe Badouin

 
Abendspielplan

„Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, Spielzeiteröffnung am 5. September
„Die Ereignisse“ von David Greig, 12. September
„Das Geld“ nach Émile Zola, 3. Oktober
„paradies hungern“ von Thomas Köck, Uraufführung am 24. Oktober
„Soul Kitchen“ nach dem Film von Fatih Akin, 21. November
„Früchte des Zorns“ nach John Steinbeck, 15. Januar 2016
„Was ihr wollt“ von William Shakespeare, 20. Februar
„demut vor deinen taten baby“ von Laura Naumann, 27. Februar
„Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino“ von Martin Crimp, 2. April
„König David“ in Ko-Produktion mit dem Marburger Bachchor, 8. April
„Kommissar Grimmig reist nach Hesperien“ , Uraufführung am 15. April
„Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand als Open-Air-Spektakel, 27. Mai
„Made in Germania – Ein Verbindungsprojekt“ in Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt und dem Theaterhaus Jena, Juni 2016

Junges Theater

„Die Schöne und das Biest“ von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell, Weihnachtsstück, Premiere am 28. November
„Das unmögliche Haus“ in Koproduktion mit dem Jungen Staatstheater Berlin, 24. Januar 2016
„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ nach Michael Ende, 13. März
„Zuhause ist Krieg“ , Klassenzimmerstück, April 2016

 
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