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Theater von vier Kontinenten

Büchner-Jahr Theater von vier Kontinenten

Das Büchner-Jubiläumsjahr wird in Gießen groß gefeiert mit einem ­ungemein spannenden ­Festival.

Gießen. Büchner hat an der Universität Gießen studiert, dort gründete er die „Gesellschaft für Menschenrechte“, schrieb den „Hessischen Landboten“ und ließ sich für den „Woyzeck“ inspirieren. Daher ist Gießen neben Darmstadt, wo Büchner aufwuchs, zentraler Veranstaltungsort. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat das Stadttheater Gießen auserkoren, das mit Landes- und Bundesmitteln finanzierte Büchner-Theaterfestival auszurichten.

Intendantin Cathérine ­Miville und ihr Organisationsteam wählten einen anderen Blick und suchten internationale Produktionen. Erstaunlich genug: es kamen 350 Bewerbungen, davon gut drei viertel zum „Woyzeck“. „Das wird sich anteilig auch in der Stückauswahl spiegeln“, erklärt Dramaturg Steffen Popp.

Vom 22. bis 30. Juni wird sich rund um das Stadttheater Gießen alles um die weltweite Büchner-Rezeption drehen: auf der großen und der kleinen Bühne, im Theaterpark und an anderen Orten in der Stadt. Es gibt Schauspiel, Tanz und Oper, Performances und Installationen, wissenschaftliche Vorträge und Konzerte. Das Festivalzentrum ist das Zelt im Theaterpark, wo man sich treffen, essen und feiern kann, wo Informationen erhältlich sind.

Das Bühnenprogramm beginnt am Samstag, 22. Juni, mit „Buch. Bühne. Büchner.“, dem hauseigenen Mehrspartenprojekt (die OP berichtete). Die Sonntagnacht (23. Juni) wird zur langen Büchner-Nacht im TiL, gestaltet von der Hessischen Theaterakademie (Leitung ­Heiner Goebbels), in der die drei Ausbildungsuniversitäten Gießen, Frankfurt und Offenbach mit Theatern kooperieren.

Am Montag, (24. Juni) beginnen die internationalen Aufführungen. Alle Gastspiele werden in Originalsprache präsentiert und per Simultanübersetzung über Kopfhörer oder Übertitelung verständlich gemacht.

Das Hauptprogramm im Stadttheater beginnt jeweils um 19.30 Uhr:

Mo 24. Juni: Die weltberühmte Handspring Puppet Company aus Südafrika zeigt ihren gefeierten „Woyzeck on the Highveld“. Traditionelles Holzpuppenspiel (Regie: Luc de Witt) wird kombiniert mit animierten Zeichnungen (William Kentridge).

Di 25. Juni: Das NTGent aus Belgien hat aus dem „Frans Woyzeck“ eine freche Oper gemacht.

Mi 26. Juni: Das Svoboda Zholdak Theatre aus der Ukraine hat „Woiceck“ (Regie: Andriy Zholdak) „surreal, anarchisch und böshumorig“ verfremdet (Achtung: in der Kongresshalle).

Do 27. Juni: Musik, Akrobatik und Tanz, Sprechchor und Clowneske bietet das Sadari Movement Laboratory (Choreografie: Do-Wan Im) aus der Republik Korea.

Fr 28. Juni: Die Adelskomödie „Leonce und Lena“ wird von dem ungarischen Theatre of Cluj als opulentes Bühnenspektakel inszeniert.

Sa 29. Juni: Büchners Revolutionsdrama wird vom Onassis Cultural Centre Athens unter dem Titel „O Thanatos tou Danton“ (Regie: Stathis Lavathinos) auf die Bühne gebracht.

Das Spätprogramm im TiL (Theater im Löbershof) beginnt jeweils um 22 Uhr:

24.+25. Juni: Aus Japan kommt ein aktuell-politischer Bezug, das Seiryu Theater zeigt „Woyzeck Version Fukushima“ (Regie: Atsuya Tanaka). Die geplagte Kreatur Woyzeck ist hier ein Tepco-Mitarbeiter im weißen Sicherheitsanzug.

26. Juni: Das Theater Dortmund zeigt „Naked Lenz“ in Anlehnung an Büchners Romanfragment und David Cronenbergs Filmadaption von William Burroughs‘ Roman „Naked Lunch“.

27.+28. Juni: Die Gruppe Estado de Teatro aus Brasilien (Regie: Paola Lopez) geht in „Stereo Franz“ der Frage nach, ob das Private wirklich politisch ist. Live-Musik gehört dazu.

29. Juni (19.30 Uhr): Der Schweizer Boris Nikitin bietet eine reflexive Rückkehr zum Woyzeck- Text.

Das Rahmenprogramm bietet unter anderem Kunst-Installationen (Büchner-Snack-Maschine am Bahnhof, Container im Theaterpark), Performances werden auch in der leer stehenden Commerzbank am anderen Ende des Theaterparks (Johannesstraße 17) präsentiert.

Die abendlichen Konzerte (22 Uhr) im Festivalzelt sind zum Feiern gedacht, es spielen die Punk&Wave-Gruppe „Woyzeck“ aus Berlin (22. Juni) und „Sturm und Drang“ aus Brasilien (29. Juni).

n Weitere Infos: www.buechner-international.de

von Dagmar Klein

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