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Theater führt Bürger zusammen

Theatergruppe „Probe & Bühne“ Theater führt Bürger zusammen

„Opfer vom Dienst“ heißt das erste Stück der neuen Bürger-Theatergruppe „Probe & Bühne“. Die ­Premiere am Donnerstagabend war ein voller ­Erfolg.

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Einer ist immer das „Opfer vom Dienst“ in der unterhaltsamen Krimi-Farce der Brüder Presnjakow, die auf der Probebühne des Hessischen Landestheaters zu sehen ist.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Gäste der ausverkauften Vorstellung am Donnerstag wurden von Dramaturg Matthias Döpke im Foyer des Theaters am Schwanhof begrüßt. Er wies darauf hin, dass die Theatergruppe „Probe & Bühne“ vor einem Jahr gegründet wurde. Sie führt unter anderem Menschen mit Migrationshintergrund zusammen, wobei einige schon etwas länger hier leben und andere ganz neu in Deutschland sind.

Die kleine Probebühne liegt im hinteren Teil des Theatergebäudes und bietet 50 Zuschauern Platz. Bei der Premiere waren die Schauspieler hier bereits in Aktion, während die Gäste nach und nach Platz nahmen. Die bunte Truppe spielte ein munteres Spiel auf der Bühne und machte sich schon mal warm für den ersten Auftritt. Und der war wirklich sehr gelungen.

Man musste insbesondere die jungen Darsteller mit estnischen, iranischen, syrischen und ukrainischen Wurzeln bewundern für ihre schauspielerische Leistung. Alle spielten sehr konzentriert, mit vollem Einsatz und viel Engagement und waren stets gut zu verstehen. Einige hatten richtig viel Text vorzutragen, eine Herausforderung, die sie sehr gut meisterten.

Das Stück „Opfer vom Dienst“, geschrieben von den Brüdern Presnjakow, ist vor allem eine lockere Krimi-Farce, die das Ensemblemitglied Camil Morariu mit den Laien-Darstellern einstudierte. Erzählt wird die Geschichte von Valja, der als „Opfer vom Dienst“ bei kriminalistischer Rekonstruktion immer wieder die Leiche spielen muss.

Auf Kommando stirbt er wahlweise auf der Toilette eines ­Straßencafés, im Schwimmbad oder in einem japanischen Restaurant. Doch eines Tages geschieht während der Rekonstruktion ein echter Mord: Ausgerechnet der Kommissar wird vergiftet und fällt tot um. Die Verwirrung ist perfekt und alle fragen sich, was hier eigentlich gespielt wird.

„Wo bleibt die eigene Kultur?“

Das ist meistens ziemlich witzig und lebt von den schrägen Dialogen und den abstrusen Situationen. Immer wieder ist auch tiefschwarzer Humor dabei. „Wie hat die Geschädigte reagiert?“ heißt es da, als es um ein zersägtes Mordopfer geht.

Und bei dem nachgestellten Mord im japanischen Restaurant sagt der Angeschossene am Schluss nur „Hui“, bevor er melodramatisch und ziemlich tot zusammenbricht. Die Darsteller witzeln und blödeln sich durch das Stück, immer wieder wird dabei auch tief in die Kiste der Fäkalsprache gegriffen.

Das Stück hat aber auch einen ernsten Aspekt: Es geht um die Angst vor dem Fremden. Man hätte sich vielleicht gewünscht, dass dieses kritische Element in der Inszenierung etwas stärker herausgearbeitet wird. So bleibt es bei Andeutungen. Die Eltern von Valja etwa wollen kein Brot bei den kaukasischen Nachbarn kaufen, weil sie Angst haben, es könnte vergiftet sein. Und der zackige Genosse Hauptmann schimpft im japanischen Restaurant: „Sie zwingen uns ihre Bräuche auf! Wo bleibt die eigene Kultur?“

Am Schluss der gelungenen Premiere gab es viel Applaus für die Schauspieler, die sich strahlend und mit zahlreichen Verbeugungen beim Publikum bedankten.

  • Weitere Aufführungen von „Opfer vom Dienst“ gibt es am heutigen Samstag und am Dienstag, 13. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr auf der Probebühne im Theater am Schwanhof.

von Bettina Preussner

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