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Theater an einem ungewöhnlichen Ort

German Stage Service: „Hinter Glas“ Theater an einem ungewöhnlichen Ort

Es geht um eine Scheinehe: Eine Albanerin heiratet einen Junkie, um in Deutschland bleiben zu können. Gespielt wird in einem leerstehenden
 Geschäft, das bald abgerissen wird.

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„Hinter Glas“ führt an die Ränder der Gesellschaft: Die Albanerin Delia (Elda Sorra) ist eine Scheinehe mit dem Junkie Erik (Thomas Georgi) eingegangen.

Quelle: unitedOFFproductions

Marburg. Lüftungsrohre ziehen sich die Decken entlang, Kabel baumeln aus den Wänden, Fliesen sind abgeschlagen. Lange hat der Marburger Theatermacher nach so einem Spielort für das Stück „Hinter Glas“ gesucht. Fündig wurde er schließlich in einer ausgeräumten Reinigung in der Schulstraße. Das Gebäude soll bald abgerissen werden.

Die ehemalige Express-Reinigung ist der ungewöhnliche Schauplatz für eine Theaterinszenierung über ein Thema, das in dieser oder ähnlicher Form gar nicht so selten ist in Deutschland: „Hinter Glas“ erzählt die Geschichte der Albanerin Delia, die der Armut in ihrer Heimat den Rücken kehrt.

Chancen auf Asyl hat sie nicht. Ihr Schlepper Marco vermittelt eine Scheinehe mit dem drogenabhängigen Erik: Aber nichts ist umsonst in diesem Leben, schon gar nicht die Zukunft. 10.000 Euro kostet es sie, im Gegenzug bekommt sie die Chance, sich irgendwann ein neues Leben aufzubauen, wenn sie sich aus ihrer Abhängigkeit von Marco befreien kann. Für das Team der Theatergruppe unitedOFFproductions ist „Hinter Glas“ bereits die vierte Produktion in Zusammenarbeit mit dem Marburger „german stage service“.

Stück basiert auf Film „Lornas Schweigen“

Regisseur Dieter Krockauer ist von dem Spielort begeistert. „Die Lage ist fantastisch, ganz zentral und doch etwas versteckt. Der Raum passt ideal zu dem Stück, er wirkt von der Optik her ein wenig illegal und provisorisch.“ Provisorisch und illegal ist auch die Beziehung zwischen den Protagonisten, provisorisch ist auch die Wohnung des Junkies, der alles Geld längst für seine Drogen ausgegeben hat.

Krockauer und Ausstatterin Graciela González de la Fuente haben in den zwei Etagen eine kleine einfache Wohnung eingerichtet, in der die Besucher das Spiel der drei Darsteller Elda Sorra, Thomas Gorgi und Carsten Wilhelm aus Berlin hautnah miterleben werden. Hendrik Schneller sorgt mit seiner Live-Kamera für zusätzliche 
Nähe, verfolgt die Darsteller etwa auch in Räume, die für die Zuschauer nicht unmittelbar einsehbar sind.

„Hinter Glas“ basiert auf dem Film „Lornas Schweigen“ der belgischen Regiebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. Krockauer und de la Fuente haben das Thema für die Bühne bearbeitet und ergänzt, unter anderem um autobiografische Erfahrungen der Hauptdarstellerin, die im Alter von 10 Jahren aus Albanien auswanderte. Das Stück führt die Zuschauer an die Ränder unserer Gesellschaft, in eine Welt, die allzu gern verdrängt wird.

  • Die Premiere ist am Donnerstag, 22. September, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 23., 24., 25., 28., 29. und 30. September sowie am 1. Oktober.

von Uwe Badouin

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